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Schlagwort-Archive: Fieberherz

Manchmal möcht ich…

Manchmal möcht ich baden im Regen, schäumend, juchzend, Wasser schluckend…
Manchmal möcht ich spazieren auf Wolken, kleine Bäusche pflückend hie und da und singend leichtes Liedgut…
Manchmal möcht ich Mäuschen sein, krümelnagend, piepsend, lauschend.
Manchmal möcht ich tanzen, frei von Skrupeln, Schuld und Ballast…
Manchmal möcht ich Felsen sein, wortfrei, schwer und grabesstumm…
Manchmal möcht ich Amor sein, spitzen Pfeils offene Wunden in lieblose Herzen bohren.
Manchmal möcht ich niemand sein und alles haben, manchmal nur noch untergehn…
Manchmal möcht ich all die Träume jagen, sie sperrend ins Dickicht der Habgier, atem-, ruhm- und schwerelos…
Manchmal möcht ich Klinge sein, blutig seelenlose Kälte ritzend…
Manchmal möcht ich ewig sein, sphärisch hüllenlos melodisch…
Manchmal möcht ich wortlos sein, toben rasen wüten fallen…
Manchmal möcht ich, klein und grad geboren, Wärme spüren, nur noch Wärme…
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Verfasst von - September 15, 2016 in Literatur, Prosa + Lyrik

 

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Monochrom

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Der Qualm der Schornsteine am Ufer dieser Stadt.
Die Häuserschluchten im dunstigen Morgen, die blicklosen Fenster, die Tauben auf den Dächern, deren Morgenschiss.
Der Himmel, die Atemluft, der feinstaubige Sprühregen.
Der Staub auf meinen alten Tretern, vom Regen reingewaschen.
Der feuchte Straßenasphalt.
Das walzende Blech, dieses endlose Hupen und Dröhnen.
Die Gesichter darin, die Ängste dahinter, das unreine Lachen.
Das Schlagen der Herzen, umklammert von grauen Träumen.

Der Smog in meinen Lungen, der Geruch faulenden Laubs auf allen Wegen.
Die Lieder, die durch meine Gedanken fließen.
Die Gesichter meiner Ahnen, in hilflose Falten zerflossen.
Die Kraft von Freundschaft, Familie. Liebe?
Das Hoffen auf Sehnsucht, Begierde, Halt, Struktur.
Die ewignagende Frage nach Lösung und Erlösung.
Das Vermissen nach all unseren Tagen, die schüchterne Träne berührender Augenblicke, der verschwimmende Horizont meiner Gefühle.

Bildnachweis: Harveys neue Texte
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Neuschnee

0.10 Uhr. Neuschnee auf den Straßen, beschienen vom Orange des Straßenlichts. Tiefer Frieden liegt im Schweigen des Schnees. Irgendwo hinten im bewaldeten Hang steigt Rauch auf, beschienen vom matten Fensterlicht eines ruhelosen Häuschens. Kein Geräusch ist zu hören, nur das Knirschen meiner Sohlen. Ich halte inne, spiele mit dem Dampf meines Atems, halte die Luft an. Eine Kälteträne rinnt mir aus dem Auge, während ich die Stille auf meinen Geist wirken lasse.

Der Zweifel einer leisen Schwingung ergreift meine müden Rezeptoren, der Schlag meines Herzens klopft an die Enge des Brustkorbs. Irgendwo wird grad ein Kind geboren. Ich kann spüren, wie die Welt den Urschrei dieses Wesens empfängt, dieses Verneigen abertausender Geister vorm neuen Lebenslicht.

Eine zweite Träne rinnt aus meinen Augen herab, beschwört die Geburt meines Kindes herauf vor über tausend Tagen. Beschwört herauf, wie ich meine Tochter empfange aus dem Schoße ihrer erschöpften Mama. Wie ich nur noch weinen kann, losgelöst von all dem Schein da draußen, diesem tiefbeseelten, stillstehenden Moment verhaftet, der alles vergessen, mich angekommen sein lässt.
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Verfasst von - Januar 6, 2016 in Literatur, Prosa + Lyrik

 

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Sonderling

Wasser schleicht den weißen Fluss hinab, träge wie die Mast des grauen Himmels. Freundes Krähenfüße in meinen Gedanken erinnern mich, umschließen mich, verbinden mich. Der Zug zieht seine Bahn über schweißigen Stahl, dessen Werker längst gekündigt an der Flasche hängen. Bäume ziehn vorbei, ziehn Streifen, wischen über äsendes Wild hinweg. Ich folge ihnen, schaue ihnen nach, spüre ein Ziehen in meinem Hals. Wie Geäst im Spiegel des Flusses taucht ein Augenpaar vor meinem inneren Auge auf, fremdvertraut erkenne ich es im Blick des Kindes im Abteil nebenan wieder, welches Mutters Grenzen sprengen will und schreit, als gäbs keinen Zucker mehr. Wie wundervoll die Bäume unterdessen, deren vielfingriges Holz sich dem Himmel entgegenrankt, in kleinsten Knospen aufzusprengen. Das Lichtgewebe dazwischen.

Der Zug hält an grasnarbigem Bahnsteig, ich springe ab, will frei sein, nestele an meinem Rucksack herum, irgendwo hier draußen in der Fremde ländlicher Gegend. Laufe diesem alten Campingwagen auf wildernder Parzelle entgegen, diesem längst gelebten Vehikel, noch immer beheftet vom Plastikschriftzug „Intercamp“, moosschwarz und bekeimt von wildem Gras und Birkensamen. Fauliger Geruch verfallender Äpfel auf dem Dach, sturer alter Schweiß voll Charakter aus dem Flanell des alten Mannes. Der mich aus meinen Träumen holt, anspricht mit selten stiller Stimme. Da drinnen hausend sein Leben absondert vom Schwärmen müder Massen, in die Pfeife pafft, wieder und wieder süßlich knisternd. Immer neue Textformen tippt ins Klackern seines Laptops, welches schwimmt auf den Stapeln von Skripten, Aschenbechern, Tellern, Datenträgern. Umklirrt von Noise aus fernen Radiostationen.

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Verfasst von - Dezember 16, 2015 in Literatur, Prosa + Lyrik

 

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Tod

Ein Aufblitzen, ein Schuss aus dem Dickicht des Waldes. Mein Griff versagt, das Blutgeld fällt zu Boden. Die Suppe pulsiert dickflüssig meinen Hals hinab. Die Wunde klafft, brüllt Energie heraus. Schmerz sägt facettenreich durch Herz, Kopf, Körper.
Sturzmigräne. Der Odem des Kreislaufkollaps in meinen Nervenfasern. Muskelzittern. Ich schwitze, kotze.
Mein Blick verengt sich, die Umrisse fokussieren ins Weiche. Helldunkel verschwimmt. Unglaubwürdig, unwahrhaftig. Realitätsverlust.
Mein Herzschlag galoppiert Stakkato, setzt aus, rast weiter.
Adrenalin treibt durch meinen Schädel jagende Informationen an. Ich versuche, meine zersplitternden Energien zu bündeln, stolpere vorwärts, versage, schlage mit der Fresse auf. Zahnbruch. Blut aus dem Maul. Schmerz zu Schmerz.

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Verfasst von - September 26, 2015 in Literatur, Prosa + Lyrik

 

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Vormittagsskizze

Zerwühlte Bettlaken, Frühstück bei plapperndem Radio, heiß versiegelt mit starkem Kaffee. Ungeputzte Zähne hinter müd´ lächelnden Lippen inmitten dreier Tage Bart. Draußen nachtropfender Nachtregen. Zehntausendfünfhundertdreiunddreißig Schritte, ein paar mehr oder weniger.

Verwaiste Straßenzüge im feucht schimmernden Morgenaroma. Stolpergang manchmal, abschweifender Blick. Flüsterndes Zwitschern im Gezweig zwischen windschiefem Altbau und blätterndem Gartenzaun. Wehende Gardinen dort, wo Muttern die Bettwäsche raus in den Tag hängt. Ballspiel im Hinterhof, aufgeschürfte Knie im Widerwort mit hüpfendem Rock, irgendwer will irgendwas, was irgendwer nicht geben mag.

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Verfasst von - September 3, 2015 in Literatur, Prosa + Lyrik

 

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Gezeiten

111 (23)-Gezeiten
„Die Kopfhaare werden dünn, während die Haare seiner Augenlider, seiner Nase, seiner Ohren wild wuchern. Krumm wird sein Schatten. Sein Gesicht zerfließt in Falten, die Haut wird fahl und weich. Er wird immer stiller, schweigt bald nur noch, röchelt, stirbt. Seine Seele strebt ins ewige Licht, er wird beweint, begraben, vergessen. Sein Körper gerinnt zu Madenfraß, zerfällt zu Humus. Stürme und Gezeiten fegen über den Friedhof hinweg, Samen krallen sich in den Boden, schlagen Keime, Wurzeln, sturmesschweres Geäst. Alt wird der Baum auch und schwach, Käfer bohren sich in seine Rinde, durchnagen Kanäle, rauben ihm die letzte Kraft. Noch einmal durchstürmt, bricht der einstige Riese. Sein Korpus fällt zu Boden, wird zu Aas, modert, gibt neuem Boden Nahrung. Samen seiner einst so starken Frucht gedeihen prächtig, zieren das Gehölz einer Musterschonung, schießen in die Höhe. Auserwählt von Fabrikanten, fallen die strammen Stämme, werden, von stählernen Greifern erfasst, durch Werktore gefahren, geschält, zertrennt und geschnitten. In endlose Blöcke Papiers umgewandelt, verkauft in aller Herren Länder.

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