RSS

Archiv der Kategorie: Prosa + Lyrik

Lezah | Seelengefährten

„Unsere wahren Seelengefährten sind jene Menschen,
die an unserer Seite bleiben, wenn es stürmisch wird.
Auserwählte, mit denen wir lachen, weinen
und durchs Feuer tanzen können,
weil sie keine Angst davor haben,
mit uns zu verbrennen.“

Advertisements
 
 

Schlagwörter:

Tageschwer

Schwer lasten die Tage ohne jedes Wiedersehen. Lang nach all der Leichtigkeit, dem Tanz unserer Verbindungsebenen bricht immer wieder lärmendes Sehnen durch. Es lebt sich, ohne dass es noch eine Antwort gäbe… Keiner von uns beiden konnte diese Dynamik, diese Dichte, diese vielfältige Dualität, diesen Abgrund flüssiger Sonne erahnen – all dieser Dinge, die sich aus nur einer weich fließenden, stimmigen Begegnung heraus Kraft bahnten und mit einem Wiedersehen nach Endlosigkeit zu lechzen begannen. Alles verspann sich zu gierigem Licht: Duft, Fluss, Tiefe, Sucht, Lachen, Weinen, schmerzfestes Halten, Treibenlassen, Fluchtpläne ins Anderland, kosmischer Irrwitz, all die blanken Bisse und Sprünge aus den Wolken tief in ein Utopia rein… draußen hinterm Schmerz, der übergroßer Liebe folgt…
__

Unveröffentlicht. Sie möchten meine Worte in Druckform kaufen? Dann folgen Sie mir bitte hier entlang. Vielen Dank!

 
 

Schlagwörter:

Ulrich Schaffer | Überallimmer

Ich habe die Wege angelegt
auf denen ich jetzt gehe.
Ich habe Steine an den Wegrand gestellt,
steile, eckige, runde,
Findlinge, die suchen.
Ich habe Bäume gepflanzt,
ganze Hänge mit Douglastannen
wegen des Sauerstoffs für unsere Lungen
und wegen des heilenden Grüns für die Augen.
Ich habe Menschen getroffen,
verabschiedet, wieder getroffen.
Ich habe festgehalten und losgelassen,
und mich immer wieder gefragt,
ob es richtig war, was ich tat.

Gerne würde ich den Glauben,
dass nichts ewig hält, entkräften.
Vielleicht gelingt es unserer Stille
und unserer vorsichtigen Demut,
diesem anhaltenden Nachfeuer,
diesem Glühen von anderswo,
von überallimmer.

 

Schlagwörter:

Vom Gehen

Wir verstehen was vom Gehen. Fühlen die Dinge drumherum, aber den Kern? Verstehen wir nicht. Laufen runter ans Meer, jungen-/mädchenhaft herzergreifend, dieses uns nahgewachsene Binnengewässer, klein und ahnend flüsternd still, mit uns zu verschwimmen. Träumen von Verlusttänzen, kultivieren (und zensieren) unsere Tränen, die sie beglotzt werden könnten von Fremden, die uns mit jedem Schluchzen fremder werden.

Wir spüren was vom Lieben und Schmerz, wachliegend nachts vom (vielleicht) Zuviel darum, ersaufen darin und im Leben, dem allzu vielen, verlieren uns in Liebe und Tiefensucht, sind zu unerfahren miteinander, dem allen einen Schutz zu geben, dem allen eine Heimat zu geben, dem allen einen ernstgemeinten, tiefgrundierten Kuss zu geben. Ziehen weiter, wenn´s allzu brenzlig wird, wir flüchtenden Liebeshasser, wir…

Zu sehr Gestern, zu sehr Wunde und Spiegel, zu sehr hochschwingend und tieftauchend, als dass wir noch sehen könnten, was ein Ich, ein Du, ein brennend „Wir“, ein Gestern und Morgen, – ein Innehalten -, sein könnte vor all dem unterdrückten Flügelrauschen.

Klar ziehen wir weiter (als dass Worte von gestern heute noch Mut hätten), klar schützen wir uns selbst zuerst, klar verhaken sich unsere Widderhörner, als dass wir ausdauernd lieben könnten, was wir lieben – weg von uns selbst, den mauernd Ewighochverletzten, hin zum Drüben da, hin zum Nacktgeschälten, Zurückgelass´nen…
__

Unveröffentlicht. Sie möchten meine Worte in Druckform kaufen? Dann folgen Sie mir bitte hier entlang. Vielen Dank!

 
2 Kommentare

Verfasst von - November 6, 2017 in Prosa + Lyrik

 

Schlagwörter:

Ralf Bruggmann | „Hornhaut“

Ralf Bruggmann ist ein Meister der Stillleben. Er erzeugt in seinen Texten Sphären, die Schauer der Gänsehaut erzeugen, einem nicht selten beim Lesen den Atem rauben. Geradezu, als verhindere das Anhalten des Atems ein Zerstören der Spannung, die seinen Texten zugrunde liegt.

Oftmals handelt es sich um ein oder maximal zwei Personen, und oftmals scheint Bruggmann mit einer scheinbar einfachen wie herausragenden Sprache das weibliche Wesen oder vielmehr die weibliche Tiefe zu ergründen. Und wenngleich er in wahrlich nicht jedem Text Angst thematisiert, lauert sie im Ungewissen, dass sich vage am Horizont abzeichnet. Vielleicht trifft es das am Besten: Ralf Bruggmanns Metier ist das Spiel mit Ahnungen, mit Nichtgesagtem, mit starken Bildern, die sich unwillkürlich beim Lesen aufbauen.

Eingefrorene Situationen, in denen die Umgebung im Zeitverlust erstarrt und die ProtagonistInnen im Mittelpunkt zu Sehnsucht, Begierde, unerfüllter Liebe, Selbstsuche, Verlorenheit oder gar dem Abgrund hinter sommerlicher Leichtigkeit kulminieren. So kann die wunderschönste Sommerwiese hinter dem Grauen verschwinden, wenn Bruggmann den Leser zum Sonnentanz mitnimmt und jählings einen tiefen Abgrund ins saubere Bild kratzt….

Manchmal haben Liebe und Nähe etwas Cleanes, Vibrationsarmes, Fragwürdiges; man übernimmt unweigerlich die überpräsente Suche nach dem Sinn des Ganzen (um sie nachher wieder abzuschütteln). Und will man das Buch mit wenigen Worten beschreiben, kommt man nicht um das unlösbare Mysterium von Nähe und Distanz und die Suche nach dem Lebenssinn drum herum.

Bruggmanns Wortlandschaften haben eine ähnlich berauschende – wahlweise beklemmende – Wirkung wie ein gutes Musikstück oder ein einzigartiger Film. Es ist nicht auszuschließen, dass man nach Weglegen seines Buches zunächst ein Stück braucht, um sich wieder in die (vermeintliche?) Realität einzuschwingen.“

Rezension von Tomas Jungbluth für „Outscapes“-Magazin #6 | Ralf Bruggmann, „Hornhaut“, 98 Seiten, Softcover, Oktober 2017 (für 9,90€ hier erhältlich).

 
 

Schlagwörter: ,

Ulrich Schaffer | Transformation

Ich erfahre dich
in deinem Leuchten
und in deinen Tränen.
In dir geht mein Leben auf –
wie durch nichts anderes,
weil dein Dusein sich
auf unvergleichliche Weise
in mein Ichsein einfügt
und ihm eine neue Dimension verleiht.
Wie ein Juwel entsteht da
das ungeahnte Herz der Begegnung.
Da öffnet sich der Himmel,
der das Alltägliche überflutet.
Da öffnen sich Türen,
wo man keine vermutet hat
und Hindernisse schrumpfen zu Möglichkeiten,
die vorher unsichtbar waren.
Aus dem Nichts entstehen wir.

 
 

Schlagwörter:

Hauke von Grimm | „WortLand“

„Wenn der Erzähler Hauke von Grimm in Lesungen das Wort ergreift, braucht es zumeist nicht lange,  dass die Spannung spürbar wird oder die ersten Lacher zu hören sind. Von Grimm ist seit Jahren fester Bestandteil der Leipziger Literaturlandschaft und als solcher (Mit)Initiator so etablierter Größen wie beispielsweise der „Lesebühne Schkeuditzer Kreuz“. Wer ihm begegnet oder ihn auf der Bühne erlebt, weiß um den Schalk in seinem Wesen. Der zugleich aber auch keinen Bogen um schmerzhaft ernste Themen macht.

Von Hauke von Grimm ist erst unlängst in der „Edition Outbird“ das Buch „WortLand“ erschienen, das auf 150 Seiten sein aktuelles Werk widerspiegelt: ShortStories um seltsame Typen, mitreißende Prosa, dazwischen einige lyrische Perlen. Er erzählt von durchgeknallten Verkehrsrowdies, leerstehenden Häusern und darin herumstreunenden Leichenfledderern, Schattenmenschen und Epigonen verlorener Jahre, Kriegsveteranen, hochverkaterten Kneipentouren, kleinen Spielplatzmonstern, dem Pariser Flow, er skizziert seine möglichen Tode,  die Kultur des Trinkens, Endzeitszenarien, seltsame Begegnungen seltsamer Menschen, die sich in ihren kantigen Profilen, scheint es, von Grimm oft genug aus dem Hintergrundrauschen der Nachrichten entgegenschälen.

Hauke von Grimm sieht sich als Geschichtenerzähler, und das ist er auch. Ihn auf der Bühne zu erleben ist ein fesselndes Geschenk, umso schöner, dass man sich mit seinem Buch auch in die Ruhe des heimischen Ohrensessels zurückziehen kann. So richtig blüht er allem Anschein nach dann auf, wenn ihm entweder Lyrik seinen ureigenen Sprachfluss abtrotzt oder wenn es ihm richtig dreckig geht: seine derartigen – depressiven, lebensverwischenden, nebelhaften, (selbst)verlorenen – Texte tragen bei aller spürbaren Depression einen unfassbaren Sog in sich, eine Kraft, die seine Leser nach dem Wiederfinden, dass dem Weglegen des Buches folgt, durchatmen und sich klarmachen lassen, was für ein wundervolles Leben wir doch leben.

„WortLand“ ist eine Empfehlung, und offen gestanden wurde es höchste Zeit, dass dieser verstiegene wie liebenswert kauzige Autor endlich wieder mal ein Buch in den lesehungrigen Schlund der Welt wirft. Man muss ihm dankbar sein, dass er einmal mehr facettenreich (wieder)gibt, was er all die Jahre an Geschichten und Impressionen aufgesammelt hat. Und dass er es schafft, eine Vielzahl von Gefühlen zu bedienen. Oft genug irrsinniger Frohsinn, immer wieder sanft strudelnde Emotionen, allzu oft aber auch Nachdenken, Schockstarre und graue Verlorenheit.“

Rezension von Tomas Jungbluth für „Outscapes“-Magazin #5 | Hauke von Grimm, „WortLand„, 154 Seiten, Softcover, Juli 2017, 9,90€, „Edition Outbird“.

 

Schlagwörter: ,

 
%d Bloggern gefällt das: