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Epigenetik: Vererbung von Traumata

19 Dez

4973532326_6c75ba32ba_zVererbte Traumata und die Tatsache, dass wir bis zu sieben Generationen weit in die Vergangenheit traumatische Erfahrungen „aufgesammelt“ haben können, stößt schon seit Längerem auf mein Interesse. Bei aller (anzustrebenden) Selbstbestimmtheit ist damit nicht auszuschließen, dass Stimmungsschwankungen, Hochempfindlichkeiten und in manchem Lebenslagen mangelnde Widerstandsfähigkeiten bei manchen Menschen eben genau darauf zurückzuführen sein könnten:

„… Ein Team von Wissenschaftlern des New York Mount Sinai Hospital, angeführt von Rachel Yehuda, untersuchte die Gene von 32 jüdischen Männern und Frauen, die entweder in einem Konzentrationslager gewesen und dort Zeuge und Opfer von Folter wurden, oder sich jahrelang während des zweiten Weltkriegs verstecken mussten.

Außerdem analysierten sie die Gene ihrer Kinder. Die, so weiß man schon länger, häufiger an Stress-Erkrankungen leiden als andere Menschen. Man verglich die Gene mit denen von jüdischen Familien, die während des Krieges außerhalb von Europa – und damit deutlich sicher lebten. Man fand große Unterschiede.

[…]

Die Ergebnisse gelten als deutlichstes Beispiel dafür, dass sich Traumata über die sogenannte „epigenetische Vererbung“ über Generationen fortpflanzen. So, wie auch Rauchen, die Ernährung und Stress allgemein die Gene von Kindern und womöglich sogar von Enkelkindern beeinflussen.

Unsere Gene werden ohnehin ständig modifiziert – Umwelteinflüsse schalten Gene in der DNA aus und an, indem sich Chemikalien als Marker an sie anheften. Schon in der Vergangenheit haben Studien gezeigt, dass diese Marker über Generationen hinweg gegeben werden können und so die Gesundheit der Kinder beeinflussen.

Andere Forschungen zeigten, dass die Töchter niederländischer Frauen, die zum Ende des zweiten Weltkriegs großen Hunger litten, während ihrer Schwangerschaft deutlich häufiger an Schizophrenie erkranken. Wieder andere, dass junge Männer, die bereits vor ihrer Pubertät rauchten, schwerere Söhne haben als jene, die erst nach der Pubertät mit den Zigaretten anfingen.

Sicher nachweisen konnte man außerdem bereits (zumindest bei Tieren), dass sich Ängste über die Gene übertragen. …“

Quelle / Bildnachweis: MyMonk.de

(Danke, M.)
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34 Antworten zu “Epigenetik: Vererbung von Traumata

  1. Reiner

    Dezember 19, 2016 at 5:27 am

    Schaue mal hier
    Grüße & guten Morgen !

    Gefällt 2 Personen

     
    • Tristan Rosenkranz

      Dezember 19, 2016 at 7:10 am

      Sehr spannendes Thema, danke für den Hinweis. Es heißt, dass Traumata bis zu sieben Generationen weitergegeben werden können… Dir ebenfalls einen guten Morgen und Start in die Woche…

      Gefällt 2 Personen

       
    • versspielerin

      Dezember 19, 2016 at 11:21 am

      gänsehaut und wiedererkennen beim lesen deines artikels, lieber reiner!
      ja, es ist gut, dass es solche bücher gibt.
      es ist zeit. zeit zu reden…

      und dein artikel, lieber tristan ist nicht minder interessant!
      da könnte es einige erklärungsansätze für so manches geben.

      herzliche grüße an euch!

      diana

      Gefällt 2 Personen

       
      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 19, 2016 at 2:13 pm

        Dir auch herzliche Grüße und ein liebes Dankeschön für Deinen Zuspruch. Es ist immer wieder schön, wenn die eigenen Interessen auch bei anderen Menschen Resonanz erzeugen…

        Gefällt 1 Person

         
  2. finbarsgift

    Dezember 19, 2016 at 5:40 am

    Gottlob gibt’s auch positive Eigenschaften, die vererbt werden…

    Liebe Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 3 Personen

     
    • Tristan Rosenkranz

      Dezember 19, 2016 at 7:10 am

      Absolut, und man sollte sie nicht vernachlässigen. Du hast Recht, lieber Lu. Und auch Dir einen guten Morgen…

      Gefällt 1 Person

       
      • finbarsgift

        Dezember 19, 2016 at 12:32 pm

        Eben, der Trend ist nämlich, die positiven Dinge da immer als normal hinzunehmen und nicht besonders zu erwähnen, aber jede einzelne negative Gen-Eigenschaft den Eltern dick anzulasten!

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 19, 2016 at 2:14 pm

        Das soll natürlich nicht der Hintergrund des Postings sein und ist unbestreitbar ein eigenes (Diskussions)Thema wert…

        Gefällt 1 Person

         
      • finbarsgift

        Dezember 19, 2016 at 4:06 pm

        Natürlich, lieber Tristan!
        Ich wollte es nur anmerken 🙂
        Liebe Abendgrüße vom Lu

        Gefällt 1 Person

         
      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 19, 2016 at 8:09 pm

        🙂 … und fast nun Gute Nacht schon…

        Gefällt 1 Person

         
  3. hikeonart

    Dezember 19, 2016 at 8:55 am

    Das Thema finde ich auch sehr spannend. Es lohnt sich immer in seiner eigenen Vergangenheit zu recherchieren. Es gibt so viele unerklärliche Ängste, Familientragödien und Konstellationen, die man sich oft erstmal gar nicht erklären kann. Wir sind alle Nachkommen eines sehr schlimmen Krieges. Es gibt viele, die immer noch darunter leiden und es nicht richtig einordnen können, da es ja keinen direkten Zusammenhang gibt. Und das soll jetzt keinen erdrücken, aber es wird einem wieder bewusst, dass Krieg verheerend ist. Da gibt es sogar noch eine zweite, dritte ,…Welle auf einer Ebene, die man nicht für möglich gehalten hat. Verdrängung bringt nichts, ist sogar destruktiv. Da haben wir sozusagen den genetischen Beweis für einen Imperativ: verhalte dich so, dass möglichst wenig Schaden entsteht. Und bringe aktiv Gutes in die Welt. Da schließe ich mich an. Das sollte man nicht vernachlässigen. Und wir tragen eine hohe Verantwortung. Ich denke da auch an Kriegstraumatisierte aus anderen Ländern, denen wir bewusst helfen sollten.

    Gefällt 3 Personen

     
    • Tristan Rosenkranz

      Dezember 19, 2016 at 9:07 am

      Ich halte Verdrängung auch für destruktiv und denke, auch Spuren- und Selbstsuche sollte überschaubar bleiben. Zuweit gehen kann mitunter auch schaden… aber das ist ja genau das, was ich so interessant finde: wir wissen nie vollumfänglich, welche Kräfte und Emotion(serinnerung)en in uns wirken und haben eben nicht immer alles in unserer eigenen Hand… Danke für Deinen wunderbaren Kommentar, der im Grund einen eigenen Diskussionsanstoß gibt…

      Gefällt 1 Person

       
    • schlingsite

      Dezember 19, 2016 at 9:37 am

      Dieser Impuls zu helfen und Gutes zu tun könnte auch bedingt durch Erfahrungen vorheriger Generationen vererbt sein. Was aber ist das Gute? Diese Frage beantwortet jeder nach seiner Überzeugung anders.

      Gefällt 1 Person

       
      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 19, 2016 at 10:25 am

        Stimmt, das ist gar nicht so leicht zu definieren und zu unterscheiden, das Gute und das Böse… was des einen Freud…

        Gefällt 1 Person

         
  4. Monika-Maria Ehliah

    Dezember 19, 2016 at 9:37 am

    Ich erlaube mir – hier Eugen Roth zu zitieren,
    der so weise sagte:
    *Auf unsre Ahnen sind wir stolz.
    Ihr Blut, in unsren Adern rollts.
    es fließt Blut in unsren Bahnen, von Menschen die wir gar nicht ahnen.*

    Wie wahr!
    Segen dir und alles Gute ….

    M.M.

    Gefällt 2 Personen

     
  5. gkazakou

    Dezember 19, 2016 at 12:42 pm

    Was ist denn ein Gen anderes als ein Träger von Informationen? Das heißt: Geistig-Seelisches (Information) hat sich in Materie geprägt, wie es das ja jeden Tag tut (nur merken wir es meist erst, wenn wir ein Magengeschwür oder Krebs haben). Diese Prägungen gehen nie verloren, können aber durch andere überdeckt, also „rezessiv“ werden. Sehr oft treten sie in der Enkelgeneraton massiv wieder in Erscheinung. Dort können die alten Traumata dann bewusst bearbeitet und evtl so weit geheilt werden, dass die Trauma-Information nicht mehr an die nächste Generation weitergegeben wird. Die Heilung hat also nur vordergründig mit Biochemie zu tun – genauso wie die ursprüngliche Prägung.

    Die Vorstellung, dass „Erlerntes nicht vererbt werden kann“, weil das „Erbmaterial“ so was sei wie tote Materie, gehört ins 19. Jahrhundert, und wie so viele andere Glaubenssätze des 19. Jahrhunderts hält es sich immer noch als wissenschaftliches Dogma.

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    • Tristan Rosenkranz

      Dezember 19, 2016 at 2:15 pm

      …wenn man diese Probleme denn erkennt und sie auch bereit ist anzugehen. Mir sind einige Menschen bekannt, die Angst haben, Tiefverborgenes anzufassen und es lieber in der Versenkung lassen…

      Gefällt 1 Person

       
      • gkazakou

        Dezember 19, 2016 at 3:02 pm

        o ja, mir sind sehr viele solche Mitmenschen bekannt (es ist mein Job) …. Ich sage ihnen dann: na gut, du willst da nicht ran, ist dein gutes Recht. Dann wird dein Kind eben daran knabbern müssen, wie du jetzt. Diese Vorstellung behagt den meisten nicht. Denn eigentlich möchten sie ihren Kindern Gutes und keine Probleme vererben

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 19, 2016 at 8:08 pm

        …dann scheinst Du mit dieser Inspiration / Motivation eine ziemliche Erfolgsquote zu verzeichnen… Interessant ist in dem Zusammenhang, wie man Menschen ohne Kinder in die Gänge bekommen kann…

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  6. Anhora

    Dezember 19, 2016 at 4:54 pm

    Diese Erkenntnisse ermöglichen sicher ein größeres Verständnis für manche Befindlichkeiten, bei sich selbst oder anderen. Es wird aber auch deutlich, welche Verantwortung man selbst hat seinen eigenen Kindern und Kindeskindern gegenüber. Wer also Ängste, Traumata in irgendeiner Art vermeiden oder behandeln lassen kann – der sollte und muss es tun.
    Schwer traumatische Beziehungen zum Beispiel lassen sich mit fachmännischer Hilfe beenden. Schwere Angststörungen lassen sich ärztlich behandeln und zumindest lindern. Wir sind es unseren Nachkommen schuldig.

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    • Tristan Rosenkranz

      Dezember 19, 2016 at 8:10 pm

      DAS ist ein wirklich guter Gedanke: dem eigenen Nachwuchs wegen seine eigenen Erbschatten aufzuarbeiten versuchen. Wenn man in den meist frühen Jahren der Elternschaft denn schon so weit ist…

      Gefällt 1 Person

       
      • Anhora

        Dezember 19, 2016 at 9:11 pm

        Grund genug, sich den eigenen Themen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen für die nächste Generation.

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  7. roerainrunner

    Dezember 20, 2016 at 3:56 pm

    Interessant. Dass es „vererbt“ wird, hätte ich nicht erwartet. Ich hätte einfach erwartet, dass Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, ein anderes Verhalten aufweisen. z.B. schlechtere Stressresistenz, Depressionen, etc. Und dass das sich auf die Kinder überträgt.

    Gefällt 1 Person

     
    • Tristan Rosenkranz

      Dezember 20, 2016 at 7:02 pm

      Ich finde das ja genau deswegen so spannend, weil es ganz offensichtlich nicht nur durch Verhaltensweisen, sondern genetisch weiter gegeben werden kann.

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      • roerainrunner

        Dezember 20, 2016 at 7:05 pm

        Die Frage ist, welche Quintessenz man daraus zieht. Bei Trauma besser keine Fortpflanzung? Wer ist denn schon „mängelfrei“ durch’s Leben gekommen… 😉

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 21, 2016 at 5:13 am

        Das wäre wiederum einfach nur unethisch, zumal man kaum messen können dürfte, wer Trauma in sich trägt und wer nicht…

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      • roerainrunner

        Dezember 21, 2016 at 7:10 am

        Nur, wenn andere das für dich entscheiden.
        Ich meinte, was ist die Quintessenz für einen selbst, der ein Trauma erlebt hat…

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 21, 2016 at 7:20 am

        Aus der Ich-Perspektive heraus würde ich sagen, ich würde mir nicht von eventuell vererbten oder real erlebten Traumata das Leben bestimmen lassen. Allerdings träfe ich damit die Entscheidung, meinen späteren Nachwuchs möglicherweise lebenslang zu belasten…

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      • roerainrunner

        Dezember 21, 2016 at 7:27 am

        Ich kenne mindestens eine Person, die nach der Bekanntgabe der Diagnose einer unheilbaren vererbbaren schweren Krankheit den Kinderwunsch eingestellt hat…
        Aber wie gesagt: Frei von Fehlern, Makeln oder Mängeln ist sowieso keiner…

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 21, 2016 at 7:33 am

        Davor ziehe ich meinen Hut…

        Gefällt 1 Person

         
  8. streetbiter

    Januar 23, 2017 at 9:25 pm

    Sehr interessant. Behalte dich liebef als neuef Follower im Auge 🙂

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