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Liebe (ein Definitionsversuch)

20 Okt

Vermutlich können wir noch so alt sein und noch so viel erlebt und durchfühlt haben, Liebe (in ihrem Anfangsstadium bisweilen gar Psychose genannt) scheint zu den unentwirrbarsten Themen des menschlichen Verstehenwollens zu gehören:

„Leidenschaftliche Liebe entfacht Hirnareale, die mit Euphorie, Belohnung und Motivation in Verbindung gebracht werden. Da sich diese Regionen auch unter dem Einfluss von Opiaten oder Kokain regen, ist für viele Forscher klar, dass sich Liebe und Sucht wohl gar nicht so unähnlich sind. Der Psychologe Jim Pfaus von der Concordia University formuliert es so: „Liebe ist eigentlich eine Gewohnheit, die sich aus sexuellem Begehren ergibt, da Begehren belohnt wird. Es funktioniert in der gleichen Weise im Gehirn, wie wenn Menschen von Drogen abhängig werden.“

[…]

Während der Dopaminspiegel im Rausch der Gefühle zunimmt, nimmt ein anderer Botenstoff ab: Serotonin. Der Serotoninpegel von Verliebten ähnelt denen von Menschen mit einer Zwangsstörung, ergaben erste Untersuchungen. Nicht nur der Hirnforscher Semir Zeki behauptet daher: „Liebe ist am Ende eine Form von Obsession.“ In frühen Stadien lähme sie im Allgemeinen das Denken und lenke es in die Richtung eines einzigen Menschen.

Liebe ist also eine Form der Besessenheit. Auch das hört sich zunächst plausibel an. Wer kennt es schließlich nicht, wie die Gedanken nur noch um einen Menschen kreisen. Doch diese Interpretation ist nicht nur einmal mehr reichlich spekulativ, sondern hat auch noch einen anderen Haken. Zwar spielt das Serotoninsystem nach allem, was man weiß, tatsächlich bei der Liebe eine Rolle. Aber nach einer Übersichtsstudie von 2009 ist nicht gesichert, dass der Serotoninspiegel von romantisch Verliebten immer sinkt.

[…]

Liebe ist ein sehr komplexes Phänomen mit vielen Facetten. Stärker als in neurobiologischen Modellen spiegelt sich das in psychologischen wider. Ein sehr bekanntes stammt von dem Psychologen Robert Sternberg, die so genannte Dreieckstheorie der Liebe. Neben emotionalen und motivationalen Aspekten, die häufig die naturwissenschaftliche Arbeit dominieren, betont Sternberg auch einen kognitiven Aspekt. Er besteht in der rationalen Entscheidung, jemanden zu lieben und eine Bindung mit ihm einzugehen.
Auch viele naturwissenschaftlich orientierte Forscher sind sich im Grunde dieser Vielschichtigkeit von Liebe bewusst, die sich nicht so leicht unter künstlichen Laborbedingungen abbilden lässt. Liebe sei eine komplexe Empfindung, betonen etwa die Hirnforscher Andreas Bartels und Semir Zeki. Und es sei schwer, wenn nicht gar unmöglich, sie zu entwirren.“

Quelle / gesamter Artikel: Das Gehirn

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16 Antworten zu “Liebe (ein Definitionsversuch)

  1. Alice Wunder

    Oktober 20, 2016 at 6:46 am

    Hat dich das Definieren nun weiter gebracht?

    Gefällt 1 Person

     
  2. roerainrunner

    Oktober 20, 2016 at 7:10 am

    Pheromone! Alles nur Pheromone 😀 😀

    Gefällt 2 Personen

     
  3. lunarterminiert

    Oktober 20, 2016 at 11:45 am

    Und es ist doch überaus tröstlich, dass besagter Rausch den Körper nicht schädigt. Kein Lungenkrebs, keine beschädigte Niere …*ironie jetzt mal off* Menschen sind nunmal Suchtwesen und brauchen den ‚kick‘. Jeder auf seine Art.
    Liebe Herbstgrüsse – das Grau kickt mich heut so gar nicht …

    Gefällt 1 Person

     
    • Tristan Rosenkranz

      Oktober 20, 2016 at 11:50 am

      Schön gesagt 🙂 Mich erreicht das Grau heute so gar nicht, zwecks Aufgabenausgefülltheit und Lebensschub… 😀 Sozusagen…

      Gefällt 1 Person

       
      • lunarterminiert

        Oktober 20, 2016 at 11:54 am

        Ich nehm das andersrum: Aufgabenaufschub wegen Lebensausgefülltheit oder einfach: prokrastinieren 😂. Nee, bin gut dabei am Schreibtisch, nur raus mag ich nicht, obwohl es mir bestimmt gut tun würde 🙄

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      • Tristan Rosenkranz

        Oktober 20, 2016 at 12:03 pm

        …diesbezüglich ringe ich auch noch mit mir, aber schaun wir mal… ^^

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  4. gkazakou

    Oktober 20, 2016 at 4:11 pm

    der Artikel inspiriert mich nicht zu einem Kommentar, lieber Tristan. Was soll ich anfangen mit „Liebe ist ein sehr komplexes Phänomen mit vielen Facetten“? Über ein Bienenauge oder einen Pfauenschwanz, über die deutsche Außenpolitik oder den Niedergang des Römischen Reiches könnte ich genau dasselbe sagen. LG

    Gefällt 1 Person

     
    • Tristan Rosenkranz

      Oktober 20, 2016 at 4:17 pm

      😀 Dennoch gefällt mir Dein Kommentar, eben weil Liebe nicht greifbar ist und weil jede(r) jede(n) anders liebt. Vielleicht war mein Posting ein Feldversuch…

      Gefällt 1 Person

       

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