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Schlaflos

27 Sep

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Kaum einen respektablen Rhythmus wiedergefunden, als dass der Motor wieder eigenen Gesetzen folgt. Knapp dreißigtausend Meter in der Sekunde bewegt sich die Erde durchs Universum. Momentweise verwischt der Unterschied zum aufgeheizten Orbit rings um meinen schlafresistenten Geist. Um den schier wildgeworden Raserei, Glücksverspieltheit, unsatter Nähemangel und endlose Barrikaden emotionsgeladener Erinnerungen zirkulieren.

Wohlwissend, dass er nicht wiederkommen wird, der Schlaf, harre ich noch aus, versuche mich noch dreimal umzudrehen und der tonnenschweren Illusion endlos selbstüberschätzter Aufgabenreigen zu entkommen. Was mir letztendlich, als wäre das eine auch nur annähernd neue Erfahrung, erst gelingt, als ich den ersten Kaffee neben der Tastatur stehen habe. Ihn mir einflöße, als wäre Koffein das einzig wahre Beruhigungsmittel. Oder vielleicht doch eher die Nacht hinter meinem Rücken, die Menschenstille in meiner Nachbarschaft und mit ihr das leise Rauschen der Bundesstraße.

Es ist wohl beides. Denn kaum hab ich das Bett verlassen, kehrt Stille in mir ein, beruhigt sich mein wundgelaufender Geist. Ganz, als läge man einem heißgewimmerten Kleinkind die Hand auf die Stirn. Ganz, als gäbe es nichts zu tun. Oder als gäbe es zwischen diesen beiden Polen, der schieren Panik, dem eigenen Tempo nicht gewachsen zu sein wie auch der völligen Entspanntheit, alles geht seinen Gang, keine Alternative. Gratwanderung auf der zitternden Nadel zwischen den Ambivalenzen.

Und so ist es nur konsequent, dass ich die bis zum Horizont mäandernde Aufgabenliste ignoriere und diesem sich seit zwei Stunden an die Oberfläche schälenden Drang nachgebe, endlich wiedermal zu schreiben…

Bildnachweis: Pics about Space
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2 Kommentare

Verfasst von - September 27, 2016 in Kolumne, Prosa + Lyrik

 

Schlagwörter:

2 Antworten zu “Schlaflos

  1. kaetheknobloch

    September 27, 2016 at 4:01 pm

    Lieber Tristan, solche Texte sind athemlosmachend zu lesen. Sind augenüberwassernd und kaltheißpulsend. Spiegel, in denen man sich silbig erkennt und darum ganz besonders. Weil man sie selbst im größten Glück nicht zu vergessen vermag, diese zitternde Nadel, die so oder so den Kurs anzuzeigen versteht.

    Schreiben hilft. Immer.
    Nahsinnende Grüße, Deine Käthe.

    Gefällt 1 Person

     
    • Tristan Rosenkranz

      September 27, 2016 at 4:29 pm

      Danke, Du Liebe und manche lieben Grüße zu Dir herüber 🙂 Es freut mich sehr, wenn Dich berührt was Du liest…

      Gefällt mir

       

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