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Hermann Hesse | Einsamkeit

15 Jul

Einsamkeit ist Unabhängigkeit, ich hatte sie mir gewünscht und mir erworben in langen Jahren. Sie war kalt, o ja, sie war aber auch still, wunderbar still und groß wie der kalte stille Raum, in dem die Sterne sich drehen.

Buchzitat aus „Der Steppenwolf“

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14 Antworten zu “Hermann Hesse | Einsamkeit

  1. roerainrunner

    Juli 15, 2016 at 8:52 am

    Ist das nicht der Unterschied zwischen Einsamkeit und alleine-sein?
    Einsamkeit ist negativ behaftet, alleine-sein eigentlich ganz neutral 🙂

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  2. gkazakou

    Juli 15, 2016 at 9:39 am

    Der Ich-Erzähler ist froh über die errungene stille kalte Einsamkeit – aber er posaunt diese seine Freude in alle Welt hinaus in der Hoffnung, dass jemand seine Stimme hört. Das ist paradox. Vermutlich wird ihm die Wärme der menschlichen Gemeinschaft irgendwann doch fehlen, und er wird zurückkehren aus seiner Wolfsfreiheit in die laute komplizierte Menschenwelt. (Leider habe ich das Buch nie gelesen)

    Gefällt 1 Person

     
  3. Ulli

    Juli 15, 2016 at 9:40 am

    Unabhängigkeit ist auch mit anderen möglich, so, wie die Stille auch, wenn ich alleine bin oder zusammen mit meinem Mann, einer Freundin, einem Freund schweigen kann. Einsamkeit ist für mich kein Ziel!

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  4. karfunkelfee

    Juli 15, 2016 at 12:20 pm

    Genauso wie Hesse es beschreibt, ist es. Er hat das unbegreiflich Große und Kalte in der Einsamkeit begrifflich werden lassen wie sich drehende Sterne. Wie unermesslich groß muss ein Raum sein, damit sich Sterne klein darin drehen können? Wie viel galaktischer Staub wird dabei aufgewirbelt? Wie ewig erscheint die Zeit vor dieser Dimension einer Schnelligkeit, die sich in Äonen pro Umdrehung bemisst? Die Einsamkeit ist sogar so groß, dass sie weder war noch wird, sondern ausschließlich Raum lässt für ihr IST.

    Hm…ich hab mal metaphysisch angesetzt…☺️

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    • Tristan Rosenkranz

      Juli 15, 2016 at 12:40 pm

      Ich glaube, Dein metaphysischer Ansatz trifft sich mit meinem ambivalenten… Im Grunde können wir im Universum nie alleine sein (weil mit Allem verbunden) und sind es gleichzeitig doch immer (weil unendlich klein und bedeutungslos). Angst vor Bedeutungslosigkeit ist es wohl, die uns immer auf Zuspruch aus sein und vor Einsamkeit flüchten lässt. Jedenfalls überwiegend, nicht alle und nicht immer…

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      • karfunkelfee

        Juli 15, 2016 at 1:00 pm

        Darin kann ich Dir nur zustimmen, ähnlich betrachte ich es auch. Vielleicht liegt mir deswegen an Spuren, die Menschen in ihren Leben hinterlassen, so viel…

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      • Tristan Rosenkranz

        Juli 15, 2016 at 1:02 pm

        …(von mir) bevorzugt berührende Spuren, ja. Mit Sinn, Emotion, Intuition…

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  5. Phantasien und das Nichts

    August 4, 2016 at 2:02 pm

    Ich mochte besonders die Stelle, wo er durch den bürgerlichen Hausflur in seine Wohnung tritt – Wo das alles aufhört! Die einsame Künstlerexistenz, die das Bürgerliche braucht um sich davon abzugrenzen.
    In dem Zitat steckt eine große Ambivalenz, auf der einen Seite bedeutet die Einsamkeit Unabhängigkeit. Sie war gewünscht und doch ist sie kalt, ein „kalte[r] stille[r] Raum, in dem die Sterne sich drehen“. Sterne das klingt erst mal nett, poetisch. Sterne stehen für die Kraft der Imagination, sie sind nicht greifbar und undlich weit weg, nicht zu zählen, blaß, kalt, Wünsche. Sie sind noch da, wenn wir selbst schon gegangen sind. Aber sie sind, wer „Was der Wind in den Sand geschrieben“ [hat] kennt, nicht so kostbar, wie das Lebendige, Flüchtige.
    Die Gewünschte Einsamkeit bedroht die Lebendigkeit, könnte man frech behaupten.

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    • Tristan Rosenkranz

      August 4, 2016 at 4:25 pm

      Ich merke einmal mehr anhand Deiner Gedanken, dass das Lesen dieses Buches schon wieder viel zu weit zurück liegt und ich vielleicht sogar erst heute alles aufnehmen und verstehen würde…

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      • Phantasien und das Nichts

        August 4, 2016 at 6:24 pm

        Das ist das Schöne an Literatur, bei jedem lesen eröffnet sich eine andere Geschichte, da sich die eigene Sicht veränderte. Leider leist man viel zu selten ein Buch zweimal (Es gibt soviel gute Literatur) Ich muss hier allerdings zugeben, Hesse habe ich seit mindestens 10 Jahren nicht mehr in der Hand gehabt.

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      • Tristan Rosenkranz

        August 5, 2016 at 4:03 am

        Hesse selbst ist ja schon ein Alleinstellungsmerkmal und ich vermute stark, dass ich ihn für mich insgesamt neu entdecken werde. Eben, weil er soviel Tiefe und Weisheit in sich trägt und in den Jahren seit meiner letzten Lektüre sich auch meinerseits viel entwickelte (Bewusstsein, Sichtweisen)…

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