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Susanne Hühn | Scham

05 Jul

„Das größte Trauma, das was am tiefsten sitzt, ist die Beschämung. Scham erleben wir meistens sehr früh, zu einer Zeit, in der wir noch keine Sprache haben, und erst recht noch keine Möglichkeiten, uns selbst zu beruhigen. Scham vernichtet uns. Im Gegensatz zur Schuld, bei der wir glauben, wir hätten etwas falsch gemacht […], fühlen wir uns in der Scham komplett falsch, die gesamte Existenz steht infrage. Dieser Schmerz ist so immens, dass wir […] alles zu tun bereit sind, um das nie wieder fühlen zu müssen. Wir haben keine Chance, Scham auszumerzen, weil es nichts gibt, was wir wiedergutmachen könnten.

[…]

Diese Scham nie wieder zu erleben, dieses vernichtende Gefühl um jeden Preis zu vermeiden, ist eine der Hauptursachen für Angst. Denn die Angst schützt uns vor der Scham. Wenn du Herausforderungen erst gar nicht angehst, dann kannst du auch nicht beschämt werden.

[…]

Menschen, die dich beschämen, sind Gift für dein Inneres Kind …“

Buchzitat aus „Angst loslassen“

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12 Antworten zu “Susanne Hühn | Scham

  1. gkazakou

    Juli 5, 2016 at 7:11 am

    Es stimmt, Scham ist das vernichtenste aller Gefühle.
    ich grüble, wodurch Scham beim kleinen Kind ausgelöst wird (ab welchem Alter?) und warum sie so verheerend wirkt.

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    • Tristan Rosenkranz

      Juli 5, 2016 at 7:17 am

      Hmm, es macht auf jeden Fall nachdenklich, traurig und betroffen, wenn man bedenkt, dass sehr viele Menschen so etwas in sich tragen und dass man es nicht „zurückholen“ bzw heilen kann. Vermutungen und Erzählungen, wie so etwas entstanden sein kann, liegen – zumindest hier in der ehemaligen DDR – im mitunter doch sehr rabiaten Umgang mit Kindern, wenn sie sich nicht innerhalb der Gruppennorm beweg(en konn)ten… Ich will da gar nicht erst ins Detail gehen…

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      • gkazakou

        Juli 5, 2016 at 7:28 am

        ich habe das Thema mal in einem Romanfragment aufgegriffen – und einen Weg der Heilung gefunden. Der ging durch die tiefste, nicht mehr zu ertragende Beschämung – es tat einen Krach wie ein zerspringendes Ei, und heraus spazierte der von Scham Befreite. Unbändige Freude!

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      • Tristan Rosenkranz

        Juli 5, 2016 at 7:34 am

        …heißt, man kann Beschämung nur durch noch tiefere Beschämung offenlegen und … heilen?? Klingt nach Verhaltenstherapie bei Angst und ist für mich schwer zu glauben…

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      • gkazakou

        Juli 5, 2016 at 8:26 am

        Als Standard-Therapie würde ich es auch nicht empfehlen. So was kann man nicht steuern. Es stimmt zwar, dass zB mancher Alkoholiker es schaffte, aus der Sucht freizukommen, nachdem er den tiefsten Punkt erreicht hatte – aber natürlich darf man solche Entwicklungen nicht absichtlich induzieren. Im erwähnten Fall ist es eine Lösung, die sich mir beim Schreiben aufdrängte. Da funktionierte es.

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      • Tristan Rosenkranz

        Juli 5, 2016 at 8:40 am

        Ich habe von einigen Therapieformen gelesen, die „Kernschmelze“ zum Thema haben und damit ein Zurückfinden in ein gesundes Selbst. Immerhin: was Du erlebt hast, bestätigt das Hoffnungsprinzip.

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  2. Mme Contraire

    Juli 5, 2016 at 7:47 am

    Zufall, dass ich gerade einer Freundin eine Episonde aus der Kindheit erzählte, in der es um eben dieses Gefühl der Scham ging? Jedenfalls bestärkt mich dein Zitat aus dem Buch, dass ein solches kindliches Empfinden das Verhalten nachhaltig prägen kann.

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    • Tristan Rosenkranz

      Juli 5, 2016 at 8:04 am

      Ich glaube ja nicht an Zufälle, eher an Fügungen, Verkettungen, Synchronizitäten…

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      • Mme Contraire

        Juli 5, 2016 at 8:06 am

        Ich auch nicht 🙂 Es hat alles seinen Sinn, denke ich mir immer. Habe gerade noch einen interessanten Artikel von Stefan Paetzholdt-Hofner zum Umgang mit Kita-Kindern gelesen. Tut gut. Danke für den Denkanstoß, Tristan!

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      • Tristan Rosenkranz

        Juli 5, 2016 at 8:14 am

        …und ich danke Dir für Deine gedanklichen Ergänzungen!

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  3. Anhora

    Juli 5, 2016 at 1:59 pm

    „Kernschmelze“ ist ein treffender Begriff, Tristan. Ich habe so etwas vor einigen Wochen erlebt. Nicht mit Scham, sondern mit tief sitzender Traurigkeit und auch da funktioniert es. Man geht als anderer Mensch daraus hervor, unglaublich. Ich bin dankbar dafür, aber da durchzugehen war die Hölle.

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    • Tristan Rosenkranz

      Juli 5, 2016 at 4:57 pm

      Ich hab es selbst so noch nicht erlebt, jedenfalls nicht therapeutisch. Weiß aber, was an Kraft und Schmerz dahinter steckt und kann nachvollziehen, dass man danach ein Anderer (bzw wieder der Eigentliche) ist…

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