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Wie Sie aufhören, sich mit anderen zu vergleichen

14 Mai

loren_mansfield_better
Warum vergleichen wir uns mit anderen? Unterschiede schaffen Information

Die meisten von uns vergleichen sich täglich. Schon der Psychologe Leon Festinger hat sich über die Gründe den Kopf zerbrochen und in seiner Theorie des sozialen Vergleichs ein paar wichtige Gründe dafür festgehalten:

  1. Wir vergleichen uns, weil wir Informationen über uns und unsere derzeitige Situation benötigen.
  2. Wir vergleichen uns mit Menschen, die im interessierenden Merkmal unterlegen sind (der sogenannte Abwärtsvergleich), wenn unser Selbstwertgefühl erhöht werden oder zumindest gleich bleiben soll.
  3. Wir vergleichen uns mit Menschen, die im interessierenden Merkmal überlegen sind, wenn wir uns verbessern und nach Möglichkeiten suchen möchten, wie wir das anstellen (Aufwärtsvergleich).

Wir haben also das Bedürfnis, uns in unsere Welt einzuordnen und uns durch Vergleiche mit anderen ein möglichst gutes Bild davon zu machen. Häufig fehlt uns dazu aber der objektive Maßstab.

[…]

Wie können Sie es schaffen, diese ungesunde Gewohnheit abzulegen, sich mit anderen zu vergleichen? Hier sind einige Tipps, die ich als sehr nützlich empfunden habe:

  1. Bewusstsein. Vorwiegend vergleichen wir uns mit anderen, ohne das zu realisieren. Es ist ein Automatismus, der uns bereits in der Schule durch Klausuren und Tests begleitet und durch die häufig hohen Erwartungen anderer an uns nicht unbedingt schwächer wird.Auch die Lösung für diese Gewohnheit liegt in der Aufmerksamkeit ihr gegenüber. Halten Sie Ausschau nach diesen vergleichenden Situationen und Sie werden nach ein paar Tagen Fokus bemerken, wie es Ihnen leichter fällt, diese zu erkennen.
  2. Einhalten. Wann immer Sie diese Situationen dann erkennen, halten Sie ein. Geben Sie sich ein inneres „Stop!“. Ärgern Sie sich nicht um den Vergleich, sondern freuen Sie sich darüber, dass Sie ihn erkannt haben.
  3. Grund erforschen. Fragen Sie sich in einer ruhigen Minute nach diesem „Stop!“, was diesen Vergleich heraufbeschworen hat. Brauchten Sie einen Schub Bestätigung? Fehlte Ihnen Zuneigung? Oder ein Erfolgserlebnis? Oder vielleicht ein wenig Dankbarkeit oder Wertschätzung über das, was Sie getan haben?Je ehrlicher Sie mit sich sind, desto einfacher lassen sich Alternativen für diese Vergleiche finden.
  4. Gönnen Sie. Anderen ihre Erfolge zu gönnen und sich mit ihnen darüber zu freuen, ist keine einfache Aufgabe. Sie werden aber bemerken, dass es viel besser ist, sich mit anderen zu freuen als ihnen Groll entgegen zu bringen. Freude tut nicht nur Ihnen gut, sondern auch dem Gegenüber. Ein positiver Kreislauf.
  5. Dankbar sein. Freuen Sie sich auch über das, was Sie können und erreicht haben und fokussieren Sie nicht bloß darauf, was Ihnen noch fehlt. Eine schöne Übung dafür ist die Was-lief-gut-Übung.
  6. Fokus auf Stärken. Anstatt auf Ihre Schwächen zu fokussieren, fragen Sie sich, was Sie gut können, was Ihnen leicht fällt, woran Sie Spaß haben. Zelebrieren Sie Ihre Stärken! Seien Sie stolz darauf! Bauen Sie sie auf und aus und setzen Sie diese Stärken ein, wo Sie können. Unterschätzen Sie nie die Kraft und Energie, die durch das Ausleben Ihrer Stärken entsteht!
  7. Vergleichen Sie sich mit sich. Weiter zu kommen im Leben und nicht auf der Stelle stehen zu bleiben, gehört zu unseren Bedürfnissen. Schauen Sie aber dabei auf sich, denn Sie sind der beste und vergleichbarste Vergleich, den es gibt. …“

Quelle / gesamter Artikel: Michael Tomoff

Bildnachweis: Vanityfair / Rex/REX USA

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19 Antworten zu “Wie Sie aufhören, sich mit anderen zu vergleichen

  1. wildgans

    Mai 14, 2016 at 5:41 am

    Es ist so ein Abwägen (hätte fast „Absägen“ getippt)!
    In guten Zeiten nicht nötig, in schlechten: Aber hallo!
    Diese Punkte oben ersetzen eine gute Nichtneidischsein-Vorlesung!
    Vielen Dank!

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    • Tristan Rosenkranz

      Mai 14, 2016 at 5:48 am

      So ziemlich alle „vom Fach“ scheinen sich einig, dass ein Sich-Vergleichen schädlich ist, weil meist zu eigenen Lasten (oder umgekehrt zur Abwertung des Gegenübers) wirkt… Andererseits kann man natürlich in gewählten Situationen Vorbildhaftes zu sich und als Motivation annehmen…

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  2. Christiane

    Mai 14, 2016 at 6:06 am

    Ich finde „Aufwärts“-Vergleiche durchaus nicht schlecht, wenn man es schafft, dann nicht sofort in die eigene Abwertung zu verfallen. Weil, und das ist m. E. eine andere Seite, wer sich nicht vergleicht, schaut auch nie über seinen eigenen Tellerrand. Um zu wissen, wo ich stehe, muss ich meinen Platz in der Welt kennen.
    Morgengrüße
    Christiane

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    • Tristan Rosenkranz

      Mai 14, 2016 at 6:08 am

      Dir auch einen guten Morgen 🙂 Das ist wahrscheinlich das Kunststück, das wenigen leicht von der Hand geht: nicht in die eigene Abwertung zu verfallen… Aber zustimmen möchte ich Dir schon. Vergleichen mag hilfreich sein, wenn niemand be- und abgewertet wird.

      …und dann wäre da noch die Frage, was wir womit vergleichen…die „klassischen“ Werte wie Haus, Auto und Einkommen sind für mich vernachlässigbar (und nicht sonderlich erstrebenswert), wenn die inneren Werte zu fehlen scheinen.

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      • Christiane

        Mai 14, 2016 at 6:22 am

        Ja. Ich verstehe nicht, habe noch nie und werde wohl auch nie verstehen, warum es für Menschen wichtiger ist, ein größeres Auto zu fahren als der Nachbar. Sag nicht: Status. Klar weiß ich das. Aber verstehen werde ich es nicht. Und dann stelle ich wieder mal fest, dass ich ziemlich andere Maßstäbe habe als viele. Auch das ist für mich völlig okay, aber ich muss mich von Zeit zu Zeit daran erinnern … 😉

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      • Tristan Rosenkranz

        Mai 14, 2016 at 6:26 am

        Andere Maßstäbe sind meine Maßstäbe 🙂 also Querdenken und Hinterfragen… das ‚Witzige‘ ist ja, dass viele Forschungsergebnisse dasselbe sagen: je mehr Status (=Besitz und Öffentlichkeit), desto attraktiver (bzw. urgenetisch ausgedrückt: fortpflanzungsfähiger).

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      • Christiane

        Mai 14, 2016 at 6:34 am

        Klar, die Sache mit den Alpha-Männchen. In dem Moment, wo wir alle ums Überleben gekämpft haben, war Status Sicherheit, schon klar.
        Aber gibt es nicht auch so was wie intellektuellen Status (im schlimmsten Fall: Macht)? Emotionaler Status dürfte traditionell nicht so hoch im Kurs stehen, da als „weiblich“ eingeschätzt. Und was ist mit „kreativem“ Status?

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      • Tristan Rosenkranz

        Mai 14, 2016 at 6:37 am

        Ach, das bringt einen ja quasi reflexartig zu Abwehrreaktionen 😉 warum wird Emotion nur dem Weiblichen zugeschrieben? Warum sollen Intellekt und Emotion nicht mindestens den Rang vom Materiellen haben bzw übertrumpfen? Wobei für mich Macht nicht unbedingt gleich Intellekt ist…

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      • Christiane

        Mai 14, 2016 at 6:40 am

        (Siehe Donald Trump ;-))
        Ich bin ja so was von auf deiner Seite … und was ich gut finde, ist, dass es viele von uns gibt.

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      • Tristan Rosenkranz

        Mai 14, 2016 at 6:42 am

        Es werden denke ich auch immer mehr wach…. und, ohja, der Trump… ich verstehe seine Existenz überhaupt nicht. Was mag da evolutionär bloß schief gelaufen sein…

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      • Christiane

        Mai 14, 2016 at 6:43 am

        Seltsame Blüten treiben überall, um ehrlich zu sein. 😉

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      • Tristan Rosenkranz

        Mai 14, 2016 at 6:44 am

        Schdümmd 😉

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      • Tristan Rosenkranz

        Mai 14, 2016 at 6:38 am

        P.S. ein Hoch auf den kreativen Status! 🙂

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      • Christiane

        Mai 14, 2016 at 6:40 am

        Jepp, unbedingt! 😀

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      • Tristan Rosenkranz

        Mai 14, 2016 at 6:42 am

        😀 🙂

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  3. Stephanie Jaeckel

    Mai 14, 2016 at 8:10 am

    Ich vergleiche vielleicht nicht. Schaue aber gerne, wie andere etwas machen. Ich hatte eine sehr abgeschottete Kindheit. Als Studentin war ich auch eher schüchtern und habe zurückgezogen, wo ich nur konnte. Als ich berufstätig wurde, fehlten mir eine Menge Erfahrungen. Also fing ich an zu schauen. Und zwar immer dahin, wo Leute etwas gut konnten. Klar, es gab und gibt auch oft diesen Gedanken „puh, das schaffe ich nie“, aber das finde ich nicht so abschreckend (außer natürlich an den miesen Tagen). Weil ich kapiert habe, dass ich in einem kurzen Leben nicht alles können kann. Außerdem sind mir Leute gleich sympathischer, wenn sie etwas gut können (und damit meine ich nicht unbedingt die, die eine super Karriere hingelegt haben). Schwieriger ist es für mich beim Aussehen. Ich werde älter und klappriger, das macht mir zu schaffen.

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    • Tristan Rosenkranz

      Mai 14, 2016 at 2:03 pm

      Ich finde es durchaus wichtig, sich inspirieren zu und vom Wissen Anderer beflügeln zu lassen. Wenn es eben nicht zulasten des eigenen Selbstbildes geht…. Wir können nie alles oder mehr als einige Felder gut können, Andere eben auch…

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  4. gkazakou

    Mai 14, 2016 at 2:05 pm

    Vergleichen kann unschuldig sein. ZB vergleiche ich einen Apfel und eine Birne in Form, Farbe, Geschmack, vergleiche ihre Blütenform, die Form des Baums …. All das kann sehr genüsslich und erkenntnis-fördernd sein. Böse, ja giftig ist die Gewohnheit des Vergleichens, die sehr früh innerhalb der Familie einsetzt. Die Geschwister beginnen zu „konkurrieren“ (um Liebe und Anerkennung der Eltern, Verdrängungswettbewerb), machen sich gegenseitig fertig, anstatt sich anzuregen und zu kooperieren. Das setzt sich dann natlos in der Schule fort, wobei die verglichenen Inhalte immer abstrakter werden (bei Grundschülern geht es noch um die Gunst des Lehrers, später dann um besser-schlechter in Schulfächern, besuchten Schulen etc). Dem Erwachsenen wird dann häufig die höchste Stufe der Abstraktion – das Geldeinkommen – zum Maßstab seines Selbstwertgefühls. Daher dann auch die Wichtigkeit des Autos….

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    • Tristan Rosenkranz

      Mai 14, 2016 at 2:09 pm

      Das ist ja das, was ich meine, dieses Gift in Form von Mißgunst, Neid und Bewertung anstelle unschuldiger Betrachtung und Abwägung…

      Gefällt mir

       

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