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Während du träumtest

08 Mrz

Du sprachst von zu großer Liebe. Und gingst. In immer kürzeren Abständen. Und noch im Gehen wiederholtest du gleich einem Mantra „ich wollte nie gehen“. Während sich deine Worte immer mehr von deiner Existenz entfernten und du dich immer mehr in einem Schattenbild verlorst, spielten Polaritäten zwischen schwersten Verbrennungen und unbeschreiblicher Eiseskälte ihr Spiel mit mir.

Mein Urvertrauen gerann zum Kick – aufgelined auf einer meiner Herzkammern. Reingezogen, bis das Blut kam. Alles war und ist bis heute Rausch mit all seinen Nebenwirkungen. Der Verdrängung, Verleugnung und Selbstlüge. Dem Kater dann, dem Tremor und Entzug…

Die Wand, vielleicht haben wir das bis heute nicht verstanden, ist härter als jede Utopie. Kein noch so wundervoller Traum vermag sich zwischen uns und unsere Selbstlügen stellen. Nach dem Rausch kommt, wieder und wieder, der Schmerz allzuharter Realität. Manche nennen diese Realität Lebenslüge.

Möglich, dass du mir – in diesem einen Punkt – um Welten voraus bist. Dass dich bewahrt, was du nicht zulässt. Dass Verleugnung die Watte ist, die dich vorm Freiflug schützt. Dass deine millisekündlichen Gedanken an mich, wie du sie immer wieder nennst, den Rest deiner kammerflimmernden Autonomie bewahren. Wir wissen beide, dass ich davon um Lichtjahre abweiche. Dass jede noch so kleinste Berührung Flammenmeer heißt. Dass ich meine Gefühle im Gegensatz zu dir nicht einmal ansatzweise kontrollieren kann. Und will. Ich will authentisch sein, ich will mein Leben leben und nicht das der Anderen…

Ich bin dir zu nahe gekommen, richtig? Ich sehe Dinge in dir, die dir selbst nicht bewusst sind. Wer kann das schon wollen? Wer kann schon wollen, aus seiner festgezurrten Verankerung, aus seinem Konstrukt von Glaubenssätzen gerissen zu werden…

Ich habe keine Ahnung, was bleibt. Du schreibst „es hört nie auf“, während ich mich in tiefer Zustimmung verliere und doch immer mehr aus dem Blick gerät, wer du bist und wer ich für dich war, bin und sein werde… Und dann tauchen sie wieder auf, all diese Ebenen zwischen uns, dieses komplexe Geflecht von Energien, das um mein Verständnis buhlt. Und die Frage darum, was denn genau nie aufhören würde. Diese surreal switchende Borderline verzweifelter Kontrollversuche? Deine Gefühle für mich? Und woher genau, fragt es mich noch am Ende dieses Textes, sollen wir überhaupt den Unterschied zwischen Liebe und Bewunderung kennen können? Hat uns das je jemand beigebracht?

Und während ich das letzte Glas Rotwein leere, um mich volltrunken von deinem viel zu hohen Sockel zu stürzen, steigen sie wieder auf, die Spukbilder all dieser unwirklich schönen Momente, die sich in Zeitlosigkeit und Herzrasen verlieren…
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Unveröffentlicht. Sie möchten meine Worte in Druckform kaufen? Dann folgen Sie mir bitte hier entlang. Vielen Dank!

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8 Kommentare

Verfasst von - März 8, 2016 in Prosa + Lyrik

 

Schlagwörter:

8 Antworten zu “Während du träumtest

  1. kunstschaffende

    März 8, 2016 at 8:43 pm

    Hallo Tristan,
    während Du träumtest ist ein sehr sensibler und trauriger Text.
    Romantik, verletztes Ego und Liebeskummer sind Inspiration für die Kunst. Ich gebrauche den Oberbegriff Kunst, denn alle profitieren von diesen Säulen für ihr schaffen. Im Leid liegt die Schönheit der Prosa, Lyrik, Literatur Malerei und vielen Kunstformen. Manchesmal kann man sagen, der Künstler zahlt einen hohen Preis für seine Inspiration. Vielleicht, kann nur so Abstraktion entstehen.

    Liebe Grüße Babsi

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    • Tristan Rosenkranz

      März 8, 2016 at 9:37 pm

      Liebe Babsi, genau das ist der Punkt: im Leid (oder der Fiktion davon) kann sehr viel Schönheit liegen – jedenfalls aus künstlerischer Sicht. Aber das ist es wert…

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  2. kaetheknobloch

    März 10, 2016 at 4:27 pm

    Beim Lesen gerinnt der Herzstrom zu einem kläglichen Rinnsal, der tränenverdünnt sich selbst vor dem Autrocknen bewahrt. Noch vor dem finalen Versüßen legt Melancolia ihre zartbewahrenden Dunkelschwingen um den zitternden Leib und malt die Bilder neu in ihrer ganz eigenen Schönheit. Darin enthalten sind Bilder voller süßweher Erinnerung. Wenn wir ihr vertrauen können, ihre Nähe ertragen, dann ertragen wir auch unsere innere Einsamkeit der nie beantworteten Fragen…

    Wieder ein starker, inniger Text, der ungebremst die Synapsen erglühen läßt. Danke dafür und liebe Grüße, Ihre Käthe, zartbitterfühlend nun.

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    • Tristan Rosenkranz

      März 10, 2016 at 5:03 pm

      Meine höchstgeschätzte Käthe, Sie glauben gar nicht, wie eng verwandt Ihre Worte zu meinen Zeilen sind; ganz als spüre ich Ihre zelluläre oder vielmehr subkutane Resonanz darauf… ich bin sicher, die (reale? fiktive?) Frau dieses Textes vibriert mit Ihren Worten…

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      • kaetheknobloch

        März 11, 2016 at 6:37 pm

        Da jedem realen Menschen auch ein wenig Fiktion durch die Betrachtung von den eigenen Augen innewohnt, wird diese Frau es spüren, egal wer und wo sie ist.
        Die Engwortverwandtschaft spüre ich auch. Hier bei Ihnen und bei einigen anderen Herzensschreibern. Ich lese und fühle, was geschrieben da steht, als läse ich mich selbst. Ich liebe dieses Gefühl, es macht mich weniger denkfühleinsam in manchen Momenten, wenn es stille um mich herum ist.

        Tagwerkglücklicherschöpfte Grüße, die Ihre. Natürlich auch müde zugetan.

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      • Tristan Rosenkranz

        März 11, 2016 at 7:03 pm

        Ich würde sogar sagen, dass (gute) Kunst oftmals der Fähigkeit entspringt, die Lebensdramen identisch nachzuspielen, abzugießen in eine andere Form… Wie Sie diese Wirkung auf sich beschreiben, scheint es eine Membran zwischen dem Realen bzw künstlerisch Erfühlten und Ihrem tiefen Nachklang darauf…was gibt es Schöneres, als damit (tief) zu berühren oder lesbar zu machen, was man tut…und wenn es Licht bringt und gewisse Einsamkeiten nimmt, ist es umso dankbarer.

        Ihnen meine herzlichen wie ob solcher Texte müden Abendgrüße, liebe Käthe.

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  3. Phantasien und das Nichts

    August 4, 2016 at 2:10 pm

    Dieser Text berührt mich sehr 🙂

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