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Neuanfang | Kolumne „Zwei Saiten“

01 Mrz

Wechselfluten

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Ich hatte es bislang nie so mit dem Jahresende als Schnittkante. Dass man vorher willentlich Dinge abhakt, sich frei macht und unbeschwert ins neue Jahr geht (möglichst noch mit Vorsätzen). Klar, für Verweigerer von Konsum, Lärm und Menschenmassen wie mich sind Jahresenden stets die ruhigsten und besinnlichsten Tage. Aber es waren bislang eben nur Feiertage, die den normalen Fluss unterbrachen und in Silvester mündeten.

Dieses Jahr war das anders. Es war, als kulminierten die Silvester entgegen eilenden Wochen und Tage zu einer vorher nicht möglichen Klarheit. Als bremse das Jahresende auch meine kurvenreiche wie hochsensible Bewusstseinsentwicklung in Besinnungsstille aus, um gleich vulkanischem Ascheregen in Erkenntnissen und teilweise starken Zeichen herabzurieseln. Als mündeten die vielen tief verbundenen und an inneren Bildern reichen, zum Teil langen Waldspaziergänge in einen Wandel, der nach langer Persönlichkeitsreifung plötzlich frei von allen Zweifeln ist. Und, als hätten alle lehrreichen und intensiven Begegnungen des zerrinnenden Jahres Klarheit angeschwemmt. Nicht zuletzt Klarheit darüber, dass zwischen Menschen nicht immer nur sicht- und erklärbare intuitive Verbindungen bestehen.

Vereinfacht formuliert: das Jahr fühlte sich müde an. Die Zeit ließ tatsächlich keinen Entscheidungsaufschub mehr zu. Die aufsteigenden Bilder und Erkenntnisse fortwährender, ins (Spi)Rituelle neigender Spaziergänge auf meinem Kraftweg verlangten nach Entscheidungen, zeigten mir die Dinge ohne Filter. Zeichen, immer wieder Zeichen… Nichts schien ohne Bedeutung und Aussage.

Ich bin für all das sehr dankbar. Es hat mir Raum für meine Heimatverwurzelung und Selbsterdung gegeben. Hat mich mit kaum vorstellbarem Reichtum beschenkt. Hat mich herausgefordert und mit Vehemenz immer wieder mir selbst ausgesetzt, mich mir selbst sichtbarer gemacht in meinem Wert.

Es mag sein, dass Menschen mit selbst größten Gefühlen füreinander scheitern, weil sie ihren früheren Narben nicht gewachsen sind und deren Schmerz noch immer vieles überschattet. Es mag auch sein, dass Seelen ihre Aufgaben oft erst sehr viel später erkennen, wenn es gelingt den Lärm der allzu menschlichen Beweggründe herauszufiltern und ins Tatsächliche hineinzufühlen. Dass das Zuendegehen wundervollster Dinge so einzartig dienlich dazu sein kann, seine Energie wieder in Fluss kommen zu spüren, seine innere Ladung von 20% wieder auf einen Pegel zwischen 80 und 100% hochzuvergewissern, war mir neu.

Sichtbarer denn je sind für mich die vielen verborgenen unterschiedlichen Ebenen geworden, die innige zwischenmenschliche Verbundenheit zeichnen oder, versachlicht formuliert, strukturieren. Es sind ja eben nicht nur die starken Gefühle füreinander, die Menschen diesem ureigenen Magnetismus aussetzen. Es ist auch der Stolz und das Ego, die Seelen, die Narben der Vergangenheit, die vielfältigen Ängste und der jedem zugewiesene, ureigene Lernplatz im Universum, die mitsteuern. Wie auch die tief geprägten Rollen als Mann und Frau ihren Tribut zollen. Bewusst muss uns das deshalb noch lange nicht sein, Dinge passieren einfach. Manchmal gar so oft, bis man seine Lektion wirklich verstanden hat.

Dass man mir nicht ansieht, was ich alles empfange und wie leichtfüßig ich in mitunter schweren Tagen zwischen den Ebenen wechsele, um tatsächlich alles zu verstehen, darf als Chance verstanden zu werden, mich zu unterschätzen. Wie sagte eine befreundete Psychologin unlängst zu mir? „Unterschätzt zu werden birgt riesiges Potenzial!“

In diesem Sinne werde ich mehr denn je aus dem Stillen heraus leben und Schlüsse bilden, mich verbinden, die Dinge in ihrer Entwicklung begleiten und aus dieser befriedeten Aufbruchstimmung heraus zwei lang erträumte Meilensteine zu Statuen schleifen, die das neue Jahr mir in seiner kaum halbmonatigen Unschuld vor die Füße legte. Und wenn es Zweifellosigkeit und Fügung so wollen, stell ich mir die beiden Statuen in ein paar Jahren in meinen Vorgarten.

Liebes 2016, Du würdiger Nachfolger des meisterhaften Vorjahres, Du bist mir echt sympathisch!

Zur anderen Saite / Kolumne AnaSzui bitte hier entlang.

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2 Kommentare

Verfasst von - März 1, 2016 in Kolumne, Prosa + Lyrik

 

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2 Antworten zu “Neuanfang | Kolumne „Zwei Saiten“

  1. Heidrun Regina

    März 1, 2016 at 7:47 am

    Stark und zart zugleich ist dir diese wunderbare Selbstreflektion gelungen! Auf einen guten Neustart in diesem weiterführenden Sinne! Möge sich dein Jahr 2016 freundlich entfalten.
    Herzlich Heidrun

    Gefällt 1 Person

     

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