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Hermann Meyer | Ehe

29 Feb

„Der Ehevertrag ist ein Vertrag, der die Vertragspartner u. a. gesetzlich verpflichtet, dem anderen ein Leben lang treu zu sein. Ein solcher Vertrag ist gegen die Natur des Menschen gerichtet, weil alles Lebendige stets in Entwicklung ist. Deswegen kann nicht an einem bestimmten Tag für alle Zukunft festgelegt werden, dass man den Partner immer körperlich, seelisch und geistig lieben wird. Ganz abgesehen davon, dass eine Verpflichtung zu Liebe und Treue bereits ein Widerspruch in sich ist.

[…]

Wenn der Ehevertrag die gegenseitige Abhängigkeit untermauert, die Hemmungen und geschlechtsspezifischen Reduzierungen festschreibt, und insofern nur eine Form ist, die fehlende Inhalte kompensiert, so ist das Vertrauen zu den Lebensgesetzen und zu den lebendigen Anlagen eine realere Basis – die Beziehung wird dadurch mit Inhalten gefüllt.“

Buchzitat aus „Die Gesetze des Schicksals“

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10 Antworten zu “Hermann Meyer | Ehe

  1. Alice Wunder

    Februar 29, 2016 at 9:03 am

    Die Ehe ist ja tatsächlich zu einem großen Teil eine Geschäftsbeziehung. Problem ist, daß uns das nicht bewußt ist. Ich denke, dieses Unverständnis kommt nicht etwa durch boshaftes oder verschämtes Verschweigen. Die Vorstellung ist uns vielmehr verloren gegangen: In feudalen, ständisch organisierten Gesellschaften wird die Geschäftsmäßigkeit der Ehe klar, wenn sich bei einer Hochzeit Ländereien nach geschäftsmäßiger Logik arrangiert vereinigen. Schön zu lesen von Zwangsheirat und Standesdünkel in einem Alpendorf in „Blasmusik Pop“ von Vea Kaiser.
    Wer seine zwischenmenschlichen Beziehungen vom Geschäft trennen will und kann, der sollte tatsächlich auf jede Form von Eheverpflichtung verzichten. Irgendwie geartete Verträge werden aber schon notwendig wo immer die Beziehung eine Geschäftsmäßige wird. Das ist einmal Hinterbliebenenversorgung/Erbe oder tatsächliche gemeinsame Unternehmungen. Die müssen aber nicht heilig sein oder mit Liebe zu tun haben. Wobei auch der Liebe klare Absprachen mitunter nicht schaden müssen.

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    • Tristan Rosenkranz

      Februar 29, 2016 at 9:15 am

      Na nicht zuletzt Hermann Meyers Erkenntnissen zufolge (denen ich in weiten Teilen zustimme) hält unsere gesamte Gesellschaft an völlig lebensfremden (Leben im wirklichen, ganzheitlichen, freien, fließenden Sinne) Moralvorstellungen, Glaubenssätzen und Erwartungen fest. Die Ehe ist ein Bestandteil davon. Anders gesagt: Liebe ist etwas Fließendes, Ehe etwas Starres.

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      • Alice Wunder

        Februar 29, 2016 at 9:58 am

        Ok, die klassische Ehe aufgrund unrealistischer Vertragsinhalte als unmöglich und sittenwidrig erledigt. Stimme zu. Was machen wir aber mit Besitz/Sachen und Blutsverwandten (Kinder UND Eltern) die ja schon irgendeinen Anspruch auf vorhersehbare Beziehungsmuster haben? 2. Trugschluss über die Ehe: EIn Vertrag, der nicht, wie häufig angenommen, das Verhältnis der Eheleute zueinander regelt, sondern das Verhältnis der Eheleute mit der Gesellschaft. Dann mal ehrlich: Vernünftigen Leuten reicht in der Familie ein Zettel am Kühlschrank. Verträge brauchen wir erst, wenn Fremde in’s Spiel kommen.

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      • Tristan Rosenkranz

        Februar 29, 2016 at 10:04 am

        Mir fehlt das Hintergrundwissen, aber kann es sein, dass die Ehe ein kirchliches Konstrukt ist? Und ist nicht schon der Begriff „Anspruch“ falsch, weil schon da eine Form von Zwang dahinter steckt? Verträge sind doch irgendwie immer auf Besitz ausgerichtet, denke ich… Irgendwie muss ich an dieses Zitat denken vom Kind, für dessen Erziehung ein ganzes afrikanisches Dorf benötigt wird…das beinhaltet auch den ursprünglichen Gemeinschaftssinn statt Eheverträge, hinter denen oftmals unbefriedigte, beschnittene Träume und Freiheiten stecken… Vielleicht verbinden viele Ehe am Ehesten mit dem Begriff (wirtschaftliche) Sicherheit. Von der Beurteilung der Gesellschaft erst zu schweigen, wenn man anders lebt oder ausbricht…

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  2. Alice Wunder

    Februar 29, 2016 at 10:20 am

    Lustig, ich dachte auch eben, dass der Besitzanspruch auf eine Person das Skandalöse ist, verbrämt durch romantische Ideen. Angeblich haben die Plantagen-Staaten in Amerika die Sklaverei ja auch ürsprünglich über Arbeitsverträge mit Vorschuss wiedererfunden. Unsere christliche Ehe hat wohl so ähnlich schon bei den Römern existiert. Die Kirche wiederum konnte ihre Macht wohl auch durch kompetente Anwendung des römischen Verwaltungsrechts ausbauen. Eindeutig eine Sklavenhaltergesellschaft wo der Vater absolutes Besitzrecht über Ehefrau und Kinder hatte. Wiederum also volle Zustimmung. Meine Frage aber: Was bleiben uns allen für Alternativen? Bei einer Gesellschaft, die von Liebe regiert wird, muß ich leider zuerst an George Orwells MiniLieb (Ministerium für Liebe) denken.

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    • Tristan Rosenkranz

      Februar 29, 2016 at 10:25 am

      Mittlerweile, und das schon ziemlich lange, hat sich das Blatt gewendet oder die Waage ausgependelt: nicht mehr (nur) der Besitzanspruch des Mannes, sondern die weit verbreitete „Moral“, einen wohlhabenden Mann zu „liebes“heiraten und damit ausgesorgt zu haben. Von sorgerechtlichen Einseitigkeiten ganz zu schweigen… Moralisch steht das ganze Konstrukt in Frage. Gegenfrage: wird unsere Gesellschaft denn wirklich von Liebe regiert? Ich meine, echte Liebe – frei von Einflüssen des Ego und materieller Einschätzungen (zu denen auch Status gehört)? Ich bin mir nicht sicher… Alternativen finden ist sehr unbequem, weil man diese nur über das komplette Infragestellen des uns eingeprägten und umgebenden Wertesystems erreichen würde…

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      • Alice Wunder

        Februar 29, 2016 at 10:45 am

        Es hat keiner gesagt, daß Macht nur Spaß macht. Besitz kann auch Quell lebenslangen Verdrusses und Grund für Wirtschaftlichen Ruin sein. Vielleicht so: Helfen kann uns nur rückhaltlose Aufklärung. Man sollte Kindern schon vor der Pubertät klar machen: Es gibt Liebe und Triebe, die können einem den Atem rauben. Gegenseitiger Respekt gebietet aber, dass man frühestmöglich mal durchatmet und miteinander abklärt, was man denn nun genau von einander will. Und dass es dabei nicht um Bettsport geht, sondern so Sachen wie gemeinsame Wohnung, Kloputzen, Wocheneinkauf etc. Und diese Absprachen müssen erneuert werden und können keinesfalls im lebenslangen Vertrag festgelegt werden…

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      • Tristan Rosenkranz

        Februar 29, 2016 at 10:48 am

        Da kann ich nur zustimmen… ich glaube, die Urbasis ist ohnehin Vertrauen. Nicht nur in das Gegenüber und dessen Geradlinigkeit (oftmals schon ein Problem heute), sondern auch die eigene Intuition und die eigene Fähigkeit, sich auszudrücken und die (für sich im Sinne gesunden Egoismus´) richtigen Entscheidungen zu treffen.

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  3. versspielerin

    Februar 29, 2016 at 12:05 pm

    … habe gern euerm gespräch gelauscht, tristan und alice wunder, so viel wahres, das ihr hier ansprecht, ausgehend vom oben stehenden (guten!) zitat. danke!

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    • Tristan Rosenkranz

      Februar 29, 2016 at 12:33 pm

      Vielen lieben Dank! Ich finde derartige Bücher zu den Zitaten ja schon spannend, anregend zudem dann auch Gespräche wie das heutige dazu… Liebe Grüße 🙂

      Gefällt 2 Personen

       

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