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Borderline: der Idealisierungs- & Abwertungskreislauf

16 Feb

matt

Oft taucht in meinen Gesprächen mit Fachleuten und Trennungseltern die Frage der Schuld auf, wenn der / die Ex-Partner(in) einer Borderline-Persönlichkeit in ein Reaktions- und damit Verhaltensmuster „geraten“ ist, welches ihn vor sich selbst erschrecken lässt. Wer einmal mit einer solchen Persönlichkeit eine Beziehung gelebt hat, kann oftmals nachvollziehen, dass es einer enormen Widerstandsfähigkeit bedarf, auf einen steten Wechsel zwischen Überidealisierung und Abwertung nicht mit extremer emotionaler Betroffenheit zu reagieren und damit nicht selbst in einen Kreislauf unauflösbarer Schuld(gefühle) zu geraten. Die meisten Betroffenen glauben und hoffen zu lange, es könne und würde sich etwas ändern, wenn man nur Verständnis zeigt und über die Gefühlslagen und Nöte spricht.

Interessante Ausführungen zur Thematik fand ich auf dem Blog „Grenzwandler“, der neben weiteren Abwehrmechanismenn von Borderlinern auch den obengenannten „Idealisierungs- und Abwertungskreislauf“ („Spaltung“) erläutert:

„Der Wechsel von Idealisierung und Entwertung wird in der Psychoanalyse als SPALTUNG bezeichnet. Gemeint ist damit ein frühkindlicher Abwehrmechanismus, der von Borderline-Persönlichkeiten sowohl bewusst als auch unbewusst zur Verarbeitung belastender Situationen eingesetzt wird.

Borderliner können ambivalente und vieldeutige Affekte nicht zeitgleich wahrnehmen. In einem Moment kann nur ein Affekt akzeptiert und nur eine einzige dazu passende Kognition wahrgenommen werden. So wird eine Bezugsperson beispielsweise als ausschließlich liebevoll und beschützend empfunden und bewertet, obwohl die Beziehungserfahrung mit dieser Person auch andere Qualitäten enthält. Zu einem anderen Zeitpunkt wird die gleiche Person dann ausschließlich als angsteinflößend, verächtlich und störend wahrgenommen. Die Spaltung ist verantwortlich für die emotionale und kognitive „Schwarz-Weiss-Malerei“ die charakteristischerweise bei Borderline-Störungen zu finden ist. Eine zeitliche Integration verschiedener Gefühle, kognitiver Bewertungen, Intentionen, Imaginationen usw. ist darum nicht möglich.

Auch bei gesunden Menschen kann es in besonderen Krisensituationen zu Spaltung kommen, bei Borderlinern besteht dieser Abwehrmechanismus jedoch dauerhaft. Spaltung sichert das psychische Überleben und war in der Entwicklung bei Betroffenen einst eine wichtige Strategie um Ihre Existenz zu sichern. Während gesunde Menschen jedoch in ihrer Entwicklung irgendwann reife Abwehrmechanismen entwickeln stehen diese Borderlinern, besonders in Krisen, nicht zur Verfügung. …“

Quelle / gesamter Artikel / Bildnachweis: Grenzwandler

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2 Kommentare

Verfasst von - Februar 16, 2016 in Wissenschaft + Forschung

 

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2 Antworten zu “Borderline: der Idealisierungs- & Abwertungskreislauf

  1. Alice Wunder

    Februar 16, 2016 at 2:06 pm

    Interessant. Kann es sein, dass viele psychische Erkrankungen Reaktionsmuster betreffen, die jeder Gesunde von sich kennt? Kann es sein, daß genau deshalb viele Gesunde solche Krankheiten gern verdrängen und stigmatisieren?

    Gefällt 1 Person

     

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