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Heilung

20 Jan

Hoffnung sucht das Tageslicht. Ihre Früchte tragen Gewissheit heran, Gelassenheit. Ich atme und fühle in tieferen Regionen. Dunkler, warmer Samt wärmt meine Nervenbahnen, Zwänge gefrieren zu Tiefschlaf. Zusammenhänge kehren zurück in mein Bewusstsein, die Spürbarkeit des großen Ganzen.
Mir ist, als wäre ich angekommen. In einem Moment der Endlosigkeit mein Leben, still und kraftvoll in einer Fuge der Zeit. Strang für Strang ballen sich, nichts ist Zufall – nichts.
Musik rollt meine Gehörgange herab, verbindet mich, stellt meine Haare auf, bringt mich näher. Zeit verliert Bedeutung.

Zwischenzeitliche Reibungen, Zweifel, Ängste räumen das Feld. Ich kann wieder schreiben, wieder sehen. Wieder einmal durchstöbere ich diesen geliebten Wald, mein Rotweinkater vom Vortag verschwindet in all dieser Luft, diesem Leben, dieser Vielfalt im Licht.
Jene Bank rückt näher, ich setz mich nieder, lese Deine Nachricht. Gutes Timing ist nur ein Bestandteil dieser anderen, tieferen Wahrheit zwischen uns, diesem stillschweigenden Verständnis für die ewige Schönheit da draußen. Wie auch dieses feinstoffliche Vibrieren in schier jedem Zellkern.
Ich schaue in den Himmel, muß unweigerlich darüber nachdenken, ob diese uralten Irritationen in meinem Blickfeld nicht doch den Blick in ein anderes Kraftfeld bezeichnen. Ob es Sinn macht, nach einer Antwort danach zu suchen, dass jene weichweiße Wolke zu pulsieren scheint. Dass das ferne Rauschen aus der Stadt wie ein tiefes Brummen aus dem Erdinnern klingt, vom aufgesprungenem Boden preisgegeben.
Ich nehme den Heimweg, ganz allmählich, nicht, ohne noch Zwiesprache zu halten. Laufe über blühendweites Wiesenland. Komme an.

Wie schön es sich anfühlt, zuhause zu sein, umgeben von eigener Geschichte, macht sich bemerkbar, als ich eine meiner Wände mit Bildern meiner wunderbaren Tochter, meiner Familie, enger Freunde verziere. Was noch fehlt, ist ein Bild von Dir. Deshalb diese Lücke zwischen all diesem Licht, noch heller zu scheinen, wenn Dein Positiv seinen Platz bekommt.
Nicht mehr lang und alles ist perfekt.
Schon weit vorher wusste ich, hier ist mein Platz. Wie auch, das Energien erlebt werden müssen, vielleicht eingependelt, wer weiß. Mein Schlaf jedenfalls ist zurückgekehrt, wenn auch teils mit surrealstem Traumstoff zwischen langen Ebenen Deiner Anwesenheit in mir. Aber schlimm ist das alles nicht mehr. Ich fühle Heilung. Nichts schmerzt mehr, bricht, erschüttert.
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Aus „Insomnia„. Sie möchten meine Worte in Druckform kaufen? Dann folgen Sie mir bitte hier entlang. Vielen Dank!

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10 Kommentare

Verfasst von - Januar 20, 2016 in Literatur, Prosa + Lyrik

 

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10 Antworten zu “Heilung

  1. Christian

    Januar 20, 2016 at 9:19 am

    Bevor du freist, bedenk das eine:
    Ein Ehepaar hat meist vier Beine,
    Und außerdem zwei Köpfe immer,
    Und das ist schlimmer.

    Alexander Otto Weber

    (1868 – ca. 1935), deutscher Schriftsteller

    Gefällt 1 Person

     
  2. Silbia

    Januar 20, 2016 at 10:14 am

    Fein mitgenommen auf dem Weg durch die Natur zum Ankommen!
    Manchmal braucht es außer den schon vorhandenen Bildern im Außen,
    noch ein ganz besonderes, das „dieses Empfinden“ im Alltag sichtbar macht.
    Als Anker.

    Liebe Grüße,
    sich erinnernd Silbia

    Gefällt 1 Person

     
    • Tristan Rosenkranz

      Januar 20, 2016 at 10:19 am

      Stimmt, als Anker in uns drinnen und zwischen uns und unserer Welt… Der Text ist von 2007 und weist Parallelen auf, die wohl in jede Zeit hineinreichen…

      Dir auch liebe Grüße und einen ausgeglichenen Tag 🙂

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  3. kaetheknobloch

    Januar 22, 2016 at 5:50 pm

    Die vibrierenden Zeitfugen, erst irritierend, ängstigend sogar vielleicht, weil man fürchtet durch sie ins Zeitenlos hineinzufallen. Dann sucht man sich halt die passende Seilung, eine Räuberleiter oder nur ein formidables Steigeisen und wagt den ersten Schritt hin zurück zu sich. Und in sich hinein. Tiefer als man es je ahnte, denn natürlich fühlt sich jeder weitere Schritt an. Natürlich.

    Ihre Zeilen, mein lieber Tristan, sie sind wieder so unterhäutig pulsend, daß es kribbelt. Ich will wieder mehr Zeit für Ihre Wortgefüge haben…
    Fastfeierabendliche Grüße, stets die Ihre, winterseelig zugetan.

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    • Tristan Rosenkranz

      Januar 22, 2016 at 6:53 pm

      …als könnten Sie das von mir beschriebene Profil präzise nachfühlen und beschreiben… Ja, ganz genau wie Sie es ergänzen… und jederzeit herzlich willkommen auf das eine oder andere Zeitfenster hier bei mir 🙂

      Meine winterherzlichen Zeitgrüße Ihnen.

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      • kaetheknobloch

        Januar 23, 2016 at 12:19 pm

        Zeitfenster aufreiß/ Winterherzgrußkuß auf die Rosenkranz’sche Fensterbank lege/ Zeitfenster zuknall.

        Gefällt 1 Person

         
      • Tristan Rosenkranz

        Januar 23, 2016 at 12:30 pm

        Da es sich hier durchweg und eindeutig um ein ausgesprochen freundliches Aufreiß-/Zuknall-Procedere handelt, nehme ich diese frohstimmige Hektik doch sehr gern entgegen 🙂 Ihnen wolkenverhangene Schneeverpappungsgrüße…

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