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Ulrich Schaffer | Krähen

15 Jan

Krähe

Ihr Rufen, eine Anklage,
dass wir nicht leben, was wir wissen,

ihre wachen Augen,
eine Ermunterung hinein in unsere Ermüdung,

ihr plötzliches Schweigen,
eine Vorwegnahme unseres betroffenen Erstarrens,

ihr Flug, eine Handschrift,
die das Urteil über uns unterschreibt,

ihr fedriges Blauschwarz gegen das Himmelsweiß,
eine Spiegelung unseres Denkens,

das uns umbringt.

Bildnachweis: Thomas Goebel

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15 Antworten zu “Ulrich Schaffer | Krähen

  1. lollyjanepolly

    Januar 15, 2016 at 6:05 am

    Sehr treffend und schön 😊
    Direkt neben meinem Haus haben einige Krähen eine Art Winterquartier in einem kleinen Wäldchen… ich bin also mittendrin, statt nur dabei beim Krähenspektakel. Und so oft gehen mir ähnliche Gedanken durch den Kopf, wenn ich sie beobachte 😊

    Gefällt 2 Personen

     
  2. Ariana

    Januar 15, 2016 at 7:14 am

    Hier gibt es auch viele Krähen. Oft sitzen Sie auf dem Hausdach gegenüber und schauen hier zum Fenster rein, als wenn sie einen beobachten. …

    Gefällt 2 Personen

     
    • Tristan Rosenkranz

      Januar 15, 2016 at 8:15 am

      Ich erinnere mich an eine Handvoll Momente in Schlüsselmomenten meines Lebens, wo es mir ähnlich schien: das Beobachten, Erscheinen, (einmal sogar) von hinten über meinen Kopf hinweg fliegen…

      Gefällt 2 Personen

       
  3. Silbia

    Januar 15, 2016 at 8:42 am

    Von Schaffer gibt es in meiner Büchervitirine einige Bändchen. 🙂
    Hier in der Stadt werden die Krähen immer mehr, teilweise problematisch, weil sie auch ab und an in Verteidigung gehen, wo es nicht nötig wäre.
    Es sind meiner Meinung nach sehr kluge Tiere, die wir nicht unterschätzen sollten. Ihr Zusammenhalt ist vorbildlich. Ein Freund sagte einmal, es sind die letzen noch übrig gebliebenen Dinos.

    Liebe Grüße,
    Silbia

    Gefällt 2 Personen

     
    • Tristan Rosenkranz

      Januar 15, 2016 at 8:48 am

      Stimmt, sie sind sehr intelligent und sozial – tragen allerdings auch Revierkämpfe aus… Und Schaffer habe ich abonniert. Er macht nicht nur berührende Fotografien, er scheint mir auch sehr weise zu sein…

      🙂 Liebe Grüße zurück an Dich.

      Gefällt 2 Personen

       
  4. Christian

    Januar 15, 2016 at 9:26 am

    Nachtflug
    Dir webten seltsam die Nornen,
    du suchst deinen Weg in der Nacht;
    im Flügel stecken noch Dornen,
    die hat dir die Liebe gebracht.

    Dem lockenden Leuchten des Mondes,
    dem Wandrer im Dunkelblau,
    folgst Du, auch wenn Du kaum findest
    die Bahn durch das nächtige Grau.

    Der Mond, er wächst und er schwindet,
    und verschwindet oft ganz und gar;
    und so eine einzige Neumondnacht
    dauert ein ganzes Jahr.

    Rabe, der Mond kehrt bald wieder.
    Ruh dich auf Yggdrasil aus.
    Im Schatten sing ich dir Lieder.
    Irgendwann bist du zuhaus.

    © 2008 Michaela Macha

    Gefällt 4 Personen

     
  5. finbarsgift

    Januar 15, 2016 at 11:18 am

    Sehr feine Zeilen… 🙂

    Diese Vögel haben was ganz eigenes, stolzes,
    sie beeindrucken mich!

    Liebe Mittagsgrüßle vom Lu

    Gefällt 2 Personen

     
  6. kowkla123

    Januar 15, 2016 at 1:17 pm

    das ist super toll beschrieben, danke, schönes Wochenende wünsche ich dir

    Gefällt 1 Person

     

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