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Norbert Giesow | Der Schmerzkörper

04 Jan

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Nachfolgend zitiere und verlinke ich Ausführungen, die einerseits in einigen Ansätzen und Formulierungen esoterisch wirken mögen, andererseits sehr gut eine persönliche Beobachtung und Frage verbildlichen, wie eng Ego und Schmerz miteinander wirken. Aus meiner Sicht sind oftmals auch solche schulwissenschaftlich unorthodoxen Denkanstöße sehr reichhaltig:

Definition des Schmerzkörpers von Eckhard Tolle

Nach Eckhard Tolle ist der Schmerzkörper die Summe des (unseres) biographischen Leidens, was sich zu einem negativen Energiefeld verdichtet.

Wir können uns den Schmerzkörper wie einen autonomen Speicher vorstellen, in dem alles Leiden gesammelt wird. Dieser Speicher wird vom Ego genutzt, um sich die eigene Existenz zu sichern. Wenn es uns gelingt, unsere Identifikation mit dem Schmerzkörper zu durchbrechen, kann er sich allmählich auflösen.

Emotionaler Schmerz

Es gibt diesen Teil in uns, der gerne alte und vor allem schmerzhafte Emotionen lebendig halten möchte. Wie wir noch sehen werden, ist es unser Ego, was sich mit Hilfe des Schmerzkörpers immer wieder in Erinnerung ruft. Der Schmerzkörper wird durch das Wiedererleben alter schmerzhafter Erinnerungen und Kränkungen gestärkt. Es ist gut vorstellbar, dass die Informationen dieser alten und vergangenen Emotionen in den Körperzellen gespeichert sind. So können diese Gefühle immer wieder reaktiviert werden. Genau das nutzt unser Ego aus, um sich stärken.

In der Welt der Polaritäten, in der wir alle leben, gibt es immer zumindest zwei Richtungen. In Freude und Liebe dehnen wir uns aus, in Leid und Schmerz ziehen wir uns zusammen. Natürlich können wir unsere Begrenztheit besser spüren, wenn wir uns zusammenziehen. Wenn wir uns ausdehnen, dann bekommt das Ego Angst, sich aufzulösen. Mittels des Verstandes entwickelt das Ego dann die gedankliche Vorstellung, dass Auflösung gleich Auslöschung ist. Diese eigene Vernichtung kann das Ego nicht zulassen. Schon aus – in diesem Fall falsch verstandenen – Bestreben, uns selbst zu erhalten, versucht das Ego alles, dass wir uns wieder mehr spüren und das funktioniert am besten über das Zusammenziehen. Damit wird uns unser Schmerz wieder mehr bewusst.

Das Energiefeld des Schmerzkörpers

Schmerz und Leid helfen dem Ego sich zu spüren und so nährt es den Schmerzkörper. Jeglicher Anlass ist dem Ego recht, um sich am Schmerzkörper zu laben und wie mit allen Süchten wird aus einer Gewohnheit schliesslich eine Sucht. So wird der Schmerzkörper immer präsenter, so dass er uns am Ende wie ein Energiefeld umgibt. Dieses Energiefeld muss jetzt immer weiter gefüttert werden. Damit vergrößert sich der Leidensdruck für uns.

[…]

Unser Unglücklichsein selber ist nicht unbedingt auch der Auslöser für den Schmerzkörper. Der Auslöser kann relativ harmlos sein, manchmal reicht eine Begegnung mit unserem Exfreund/in oder jemand kritisiert uns auf eine Weise, die das alte Muster der Wertlosigkeit in uns aktiviert. In irgendeiner Weise werden wir an etwas erinnert, was für uns mit schmerzhaften Gefühlen verbunden war und nach Aktivierung des Schmerzkörpers auch wieder ist!

Wie es auch immer passieren mag, aber mit dem Aktivieren des Schmerzkörpers kommt eine regelrechte Welle an schmerzhaften Erinnerungen auf uns zu. Dazu gehören auch alte Muster und Programme. Vielleicht sind in unserer Kindheit bestimmte Muster oder Programme gespeichert worden. Das können Programme wie „verlassen werden“, Gefühle von Mangel, Existenzängste, „immer, wenn ich besonders liebe, werde ich verletzt“ etc. sein. Wenn nun eine Situation entsteht, in der uns etwas Ähnliches oder auch nur annähernd Vergleichbares geschieht, dann wird durch das alte Muster der Schmerzkörper aktiviert und es fühlt wie der persönliche Weltuntergang an.

[…]

Immer, wenn es uns gelingt zu erkennen, dass wir gerade unter dem Schmerzkörper leiden, sorgt unser Bewusstsein dafür, dass ein Teil des Schmerzkörpers verbrennt. Der Schmerzkörper ist eine Ansammlung von Schmerz, von dem wir wie besessen sind. Auch, wenn der Schmerzkörper lange Zeit ruhig sein kann, wartet er nur darauf, dass wir ihn aktivieren. Wir sollten jede Situation nutzen, um uns bewusst zu machen, dass wir gerade ein altes Muster erleben und dass wir nicht damit identifiziert sein müssen. So schwächen wir den Schmerzkörper.

[…]

Von nun an gilt es, keinen neuen Schmerz mehr zu erschaffen. Dabei helfen kann uns unser höheres Selbst, aber auch Menschen, die eine gewisse Bewusstseinsstufe erreicht haben und die wie eine Art Vorbild für uns sein können. Letztlich kann kein Schmerz gegen die Kraft der Liebe bestehen. Die Liebe kann die Motivation sein, mehr Achtsamkeit und Bewusstsein zu entwickeln. Oftmals ist es das Leid selber, was uns motiviert, einen Weg aus dem Schmerz zu suchen. Wir können aber auch den positiven Weg gehen, das heißt, wie orientieren uns an dem Schönen in der Welt, an der Natur, den Bäumen und Vögeln, an erhebenden Gefühlen und Gedanken in uns, an der Dankbarkeit, dem Glück und der Liebe in uns. Wenn wir mit dieser Energie gehen, dann muss der Schmerzkörper weichen. …“

Quelle / gesamter Artikel: Norbert Giesow

Bildnachweis: Bernhard Plank

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11 Antworten zu “Norbert Giesow | Der Schmerzkörper

  1. Silbia

    Januar 4, 2016 at 8:34 am

    Ja zu diesen Worten! Schon aus Erfahrung kann ich ihnen nur zustimmen!!

    Liebe Grüße und Dank fürs Teilen,
    Silbia

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  2. gabriele auth

    Januar 4, 2016 at 9:12 am

    Oh Ja, ich habe Tolle gelesen und fand besonders als Frau, die Idee des Schmerzkörpers hochinteressant. Tolle beschreibt ja, dass es einen kollektiven Schmerzkörper gibt, z.B. der Frauen, wenn man an Unterdrückung und Hexenverfolgung denkt. Und da sagt meine Erfahrung, dass er Recht hat.

    Gefällt 1 Person

     
    • Tristan Rosenkranz

      Januar 4, 2016 at 9:14 am

      Ich glaube das geschlechterübergreifend – es sind ja auch Kriegstraumata unserer Vorväter in unserem Erbgut. Oder – apropos kollektive Energien – das sich wandelnde Gefühl, wenn ich Menschenmengen verlasse und die Stille des Waldes aufsuche…

      Gefällt 1 Person

       
      • gabriele auth

        Januar 4, 2016 at 9:30 am

        absolut, ja, ich habe nur als Frau geantwortet. Die Stille ist eine wesentliche Erfahrung, in der wir unserer Bindungen und Einflüsse, die von Innen wirken wie zB. der Schmerzkörper, erkennen können.

        Gefällt 1 Person

         
  3. Mark David Vinzens

    Januar 5, 2016 at 8:17 am

    Eckhart Tolle ist der Chuck Norris der modernen Spiritualität 😀

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  4. Mark David Vinzens

    Januar 5, 2016 at 10:02 am

    „The Power of Now“ ist heute wohl Grundlagenliteratur. Man spart sich viel Arbeit, wenn man nur dieses eine Buch liest.

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    • Tristan Rosenkranz

      Januar 5, 2016 at 10:18 am

      Ich kam aus gewissen Gründen an das gedruckte Wort nicht heran, habe aber die ebenso starke Audioversion.

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