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Emotionale Erpressung und Manipulation

09 Dez

…ist eines der weitverbreiteten Dauerthemen im zwischenmenschlichen Bereich. Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass mich Themen wie Regression, Entstehung und Dynamik von Ungleichgewichtungen in Beziehungen oder auch Bipolare Veranlagungen sehr interessieren. Nur zu naheliegend ist auch das ebenso spannende Thema partnerschaftlicher Fremdsteuerung. Als zentralen Satz möchte ich aus dem nachfolgenden Text diese Aussage hervorheben:

Manipulation gilt als „verwerflich“; wer möchte schon gern ihrer bezichtigt werden? So unangenehm es daher erscheinen mag, der manipulierenden oder manipulierbaren Seite in uns zu begegnen: es geht mir nicht um moralische Bewertung. Mir ist vielmehr daran gelegen, die Entwicklungschance aufzuzeigen, die darin liegt, diese schwierigen Aspekte in uns zu entdecken. Wenn wir es wagen, uns damit zu konfrontieren, wie sehr wir von inneren Ängsten dominiert sind oder in verdeckter Abhängigkeit von der Zustimmung durch Andere stehen, kann dies den Weg zu Wachstum von innerer Kraft und Selbstbewusstsein bahnen.

Mentaltrainerin und Autorin „Marita Schröder“ führt zum Thema aus:

„… Schuldgefühle sind ein äußerst wirksames Mittel, um Menschen zu manipulieren. Schuldgefühle können ein machtvolles Instrument sein, um Menschen zu manipulieren und am Ende abhängig zu machen. Kaum etwas macht gefügiger als der Hinweis, man habe an etwas Schuld.
Der beste Schutz gegen Manipulation durch andere ist, dass wir lernen, immun gegen Schuldgefühle zu sein. Es gibt unzählige Strategien, wie andere versuchen, uns zu beeinflussen und in eine bestimmte Richtung zu drängen. Wir wollen uns deshalb einmal damit befassen, wie wir auf die Manipulationsversuche der anderen reagieren können.

Welche Techniken der emotionalen Erpressung gibt es?
Jeder Mensch versucht bisweilen, andere zu beeinflussen und in seinem Sinne umzustimmen. Wir haben in unserer Kindheit die Erfahrung gemacht, dass ein schlechtes Gewissen uns und andere bereit macht, „klein“ beizugeben. Die gebräuchlichsten Strategien der emotionalen Erpressung sind, uns an unsere Verpflichtungen zu erinnern: z.B. „Wenn du es nicht machst, muss ich halt auf meinen Feierabend verzichten“, oder „Wenn du mir nicht hilfst, muss ich wieder alles alleine machen“. Durch dieses „Schuld-Programm“ lassen wir uns nur allzu leicht manipulieren. Wir fühlen uns eingeengt, unter Druck gesetzt. Doch meist brodelt in unserem Innern auch Widerstand. Scheinbar haben wir nur zwei schlechte Alternativen zur Verfügung:

  1. Wir richten uns nach den Vorstellungen des anderen und haben den Eindruck,
    gezwungen zu sein.
  2. Wir richten uns nicht nach den Wünschen des anderen und haben Schuldgefühle.

Langfristig können Schuldgefühle gehörig belasten, unsere Seele krank machen.
Wir haben es satt, uns in unserer Freiheit ständig beschnitten zu sehen und ständig mit schlechtem Gewissen umherlaufen zu müssen. Entscheiden wir uns für die Märtyrerrolle, indem wir unsere Wünsche zurückstellen und alles für den anderen tun, in der Hoffnung, es komme eines Tages zu uns zurück, befinden wir uns meist in einer ausweglosen Position: Unsere Interessen werden nicht umgesetzt und wir bekommen nichts zurück.

Was steckt hinter der emotionalen Erpressung? Im Grunde genommen fühlt sich derjenige, der erpresst, in einer Opferrolle. Er hat Angst, der andere könnte gehen, weil er niemand sonst findet, den er manipulieren könnte.

[…]

Wie erkennen wir eine emotionale Erpressung?
An unseren Gefühlen: Wir fühlen uns unter Druck, wütend, hilflos, schuldig oder ängstlich. An unserem Verhalten: Wir handeln wider unsere eigenen Bedürfnisse und nehmen uns zurück. An unseren Gedanken: Wir glauben, uns falsch zu verhalten; schuldig zu sein; wir sehen uns verantwortlich für das Unglücklichsein, für die Ängste des anderen; wir verurteilen uns als zu egoistisch.
Was passiert, wenn man emotional erpresst wird und dem nachgibt?
Man redet sich ein, nachgeben ist nicht so schlimm – man sagt sich, dass eigene Wünsche es nicht wert sind – man sagt, dass nachgeben besser ist, als Gefühle zu verletzen. Man tritt nicht für sich selbst ein. Gibt Macht ab, tut Dinge, um anderen zu gefallen, und ist sich unsicher über eigene Bedürfnisse man fügt sich, gibt Menschen und Betätigungen auf, nur um anderen zu gefallen.

Sind wir herzlos, wenn wir nicht auf eine emotionale Erpressung reagieren? Wie können wir unsere Entscheidungsfreiheit zurückgewinnen?
Schluss mit Selbstvorwürfen! Sich verzeihen lernen!
Mache Dir sehr deutlich: wenn ein anderer dir Egoismus vorwirft, dann ist er selbst egoistisch. Er will seine Bedürfnisse durchsetzen. Erinnere dich daran: für seine Gedanken, Worte, Bedürfnisse und Erpressungsversuche ist der andere selbst verantwortlich. Auch wenn Du nicht nach seinen Vorstellungen funktionierst, bist Du kein schlechter Mensch. …“

Interessante Ausführungen finden sich auch auf der Website des Psychotherapeuten Wiki vanHaren:

„… Die Formen der Manipulation sind vielfältig und so variantenreich wie das menschliche Verhalten schlechthin: schweigen, erstarren, unzufrieden oder grimmig schauen, abrupte Themenwechsel, schimpfen, abwehren, zerren, unter Druck setzen, täuschen, Vorschriften machen, kommandieren, überreden, bitten usw. usf.. Manchmal wird ganz bewusst manipuliert, ein anderes Mal ist es ein durchaus unbewusster Prozess, wenn mir meine manipulative Ausstrahlung selbst nicht zugänglich ist. Das Wesentliche der Manipulation ist, dass die wirklichen inneren Motive (Ängste) verborgen bleiben sollen, ja dass sie dem Manipulierenden sogar mitunter selbst verborgen sind. Das Gegenüber spürt jedoch ganz deutlich, dass es etwas tun oder unterlassen soll.

[…]

Als Gegenüber fühle ich in solchen Momenten eine deutliche Aufforderung, eine stille oder offene Botschaft, eine ausgesprochene oder unausgesprochene Erwartung, anders zu sein als ich bin, oder anders zu handeln, als ich möchte. Ich erlebe einen subtilen oder offenen Anpassungsdruck des Anderen als Folge unausgesprochener oder getarnter Bedürfnisse.
In den meisten Fällen geschieht diese Manipulation unbewusst; nur selten ist es ein absichtsvoller Plan. Sie ist vielmehr Reflex eines inneren Ausweichens. In solchen Manipulationsversuchen widerspiegelt sich fast immer ein ungelöstes Dilemma wie z.B. Angst vor der eigenen Wut, Scham für sexuelle Bedürfnisse, Ausweichen vor der eigenen Verantwortung. Also muss die Beziehung oder die Situation so manipuliert werden, dass diese schwierigen Themen vermieden werden können. Die Botschaft heißt dann: „Du darfst nur so reagieren, wie ich es vertrage“. Oder: „Du sollst dich so verhalten, wie ich es brauche.“
Und umgekehrt: wenn ich mich manipulieren lasse, verweist es in gleicher Weise auf ein noch ebenso wenig bewusstes, ungelöstes Thema meiner persönlichen Entwicklung. Vielleicht reicht meine Kraft, mich zu widersetzen, nicht aus; vielleicht kann ich mich subtilen Aufforderungen nach Übernahme von Verantwortung nicht entziehen, oder ich scheue selbst Auseinandersetzung und Konflikt oder, oder, oder …

[…]

Manipulationsdruck und Anpassungsbereitschaft sind zwei Spiegelbilder der gleichen Quelle – hier der Angst vor Abwertung.

[…]

Manipulation gilt als „verwerflich“; wer möchte schon gern ihrer bezichtigt werden? So unangenehm es daher erscheinen mag, der manipulierenden oder manipulierbaren Seite in uns zu begegnen: es geht mir nicht um moralische Bewertung. Mir ist vielmehr daran gelegen, die Entwicklungschance aufzuzeigen, die darin liegt, diese schwierigen Aspekte in uns zu entdecken. Wenn wir es wagen, uns damit zu konfrontieren, wie sehr wir von inneren Ängsten dominiert sind oder in verdeckter Abhängigkeit von der Zustimmung durch Andere stehen, kann dies den Weg zu Wachstum von innerer Kraft und Selbstbewusstsein bahnen. Die Alternative zur getarnten Einflussnahme heißt wie so oft: Risikobereitschaft. Es bedeutet, sich auf den Weg zu machen, zu den eigenen Wünschen und Interessen zu stehen und dafür auch Konflikte in Kauf zu nehmen. Es bedeutet somit, sich genau auf die Grenzen zuzubewegen, an denen die Ängste lauern. Herausgefordert sind hier immer beide, Subjekt wie Objekt der Manipulation.“

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17 Antworten zu “Emotionale Erpressung und Manipulation

  1. Mme Contraire

    Dezember 9, 2015 at 2:46 pm

    Sehr gut, und zufällig genau das, was ich gerade zum Lesen gebraucht habe.

    Gefällt 1 Person

     
    • Tristan Rosenkranz

      Dezember 9, 2015 at 2:48 pm

      Danke – und schön, dass es auch bei Dir den Nagel auf den Kopf trifft. Es ist interessant, solche Dinge besser verstehen zu können.

      Gefällt mir

       
      • Mme Contraire

        Dezember 9, 2015 at 2:52 pm

        Unbedingt – um etwas daran ändern zu können. In manchen Bereichen klappt das schon, in anderen muss ich noch arbeiten.

        Gefällt 1 Person

         
      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 9, 2015 at 2:56 pm

        Mir geht es ähnlich: vernünftige Texte zu Themen wie diesem (die man mitunter eine ganze Weilen sucht) sind große Hilfen, um sich selbst und seine nächsten Menschen besser verstehen zu können und eben auch an sich arbeiten zu können. Man kann ja eben nur sich selbst ändern, andere jedoch nicht…

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  2. Silbia

    Dezember 9, 2015 at 7:08 pm

    Wichtig finde ich, dass wir uns im Klaren sind, dass diese Manipulation nicht immer in böser Absicht geschieht. Es sind diese Menschenspiele, die durch Vorbilder bereits erlernt werden und oft tatsächlich von jenen kommen, die sich in die Ecke gedrängt fühlen. Wir können sie uns bewusst machen und daran arbeiten. Einfach ist es nicht und perfekt werden wir darin auch nicht werden, denke ich. Und wir sind eben nicht für die Gefühle des Gegenübers verantwortlich, das ist immer wieder ein Knackpunkt. Mein Gegenüber kann sich natürlich eine Reaktion von mir wünschen, die seinen Vorstellungen entspricht, aber ich m u s s dem nicht entsprechen. Habe gerade heute einen heftigen unverschämten Manipulationsversuch entgegengenommen und weiß, ich werde es nicht so stehen lassen, es nicht annehmen. Das Umgehen finde ich nochmals schwierig, dabei mild zu bleiben…

    Liebe Grüße,
    Silbia

    Gefällt 2 Personen

     
    • Tristan Rosenkranz

      Dezember 9, 2015 at 7:10 pm

      Das ist ja genau DER Knackpunkt! Menschen fügen Menschen, die ihnen mitunter sehr nahe stehen, mitunter Leid zu, ohne sich dessen bewusst zu sein…

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      • Silbia

        Dezember 9, 2015 at 7:17 pm

        Und dann wäre Reden und Verstehen wieder angesagt. In meinem Fall heute ist es beruflich und auch da fehlt das persönliche Gespräch, will man unpersönlich bleiben und Macht ausspielen.. nicht schön!

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 9, 2015 at 7:18 pm

        Das ist ganz genau meine Einstellung: reden und klären…

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      • Silbia

        Dezember 9, 2015 at 7:23 pm

        Ach, tut das gut dies zu lesen! 🙂

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 9, 2015 at 7:28 pm

        Tja, ja…. 🙂

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      • Silbia

        Dezember 9, 2015 at 7:33 pm

        Hihi, das hat was von: Sag ich doch, aber mir glaubt ja keiner. 😉
        Dann sind wir zwei uns dabei sehr einig, allerfeinst!

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 9, 2015 at 7:34 pm

        …und nicht nur das – dieses Thema wird gerade wegen unserer ureigenen Erfahrungen nie aufhören, so spannend zu sein…

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      • Silbia

        Dezember 9, 2015 at 7:37 pm

        Ja, bester Tristan, die Menschenspiele eben, die nicht so einfach zu durchschauen sind. Vor allem dann nicht, wenn keine Regeln da sind…

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 9, 2015 at 7:38 pm

        Die Regeln kennt, wenn überhaupt, nur das Universum… Leben und Lieben bleiben Improvisation…

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      • Silbia

        Dezember 9, 2015 at 7:43 pm

        Haha, Improvisationstheater Leben- ja das passt. Zumindest was meine Situation betrifft, hat ja nicht mehr mit Liebe in dem Sinne zu tun.

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      • Tristan Rosenkranz

        Dezember 9, 2015 at 7:44 pm

        …och, nicht nur Deins…

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