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Rausch

19 Nov

Ein großes Fenster trennt das warme Quartier eines Freundes von der regennassen Nachtwelt. Die kühle Scheibe riecht nach Rauch, Fettnasen zieren sie. Irgendeine seiner verflossenen Schönheiten ließ eine Kusslippe zurück.
Mein Freund schläft in schwarzer Suche, zugedröhnt von Southern Comfort, Selbstverlust und zwei, drei Joints. Etwas unruhig ist sein Suff, ich seh seinen mageren Körper im Spiegelbild der Außenwelt.
Stundenlang haben wir geredet, geraucht, getrunken. Uns den Kopf zerbrochen, weshalb diese endlose Schlange Frauen in seinem Leben immer nur Gastspiele spielen, warum die Schönheit des Lebens nie passt, nie bleibt und hält.
Er ist ein Genießer, ein waches, unbeschwertes Alphatier. Immer freundlich, voll von Energie und guter Laune, vielleicht auch der Typ fürs schönere Geschlecht. Nur eben nicht haltbar, komprimierbar, dauerhaft.


Er schnarcht leise, untermalt das leise Gefrickel in den Boxen, gibt meinem Rausch noch Halt und Stille statt der üblichen schreienden Suche in all den Nächten zuvor. Ich bin nicht einsam heute inmitten meiner Welt. Ich kann das Leben fühlen, etwas traurig darüber, nicht mehr lachen zu können im Ernst meines Bewusstseins. Nichts schweift ab, all diese leckenden Luftwurzeln gefühlter Gedanken stehen still.
Weit unter mir fährt in abgedämpftem Quietschen eine alte Partybahn ums Eck, biegt ein auf die Bogenbrücke, die in prächtigem Glanz diesen trägen fetten Fluß umklammert, hoch genug, alten Kähnen und schweren langen Schleppern den Weg zu weisen. Die Tram ist voller Leute, eine Partygesellschaft hebt launig ihr Saufgeschirr, jubelnd und sorglos.
Ein Mädchen inmitten der Meute. Ihr zeitlos schlanker Körper im roten Kleid, windet sie sich zum Takt der Musik. Noch kann ich sie sehen, wie sie die Arme hochreißt, jäh innehält, ihr jubelndes Lächeln einfriert im Gewühl.
Sehnsucht wirft den Motor an. Wie ein Spannungswandler übergießt sie mich mit Traurigkeit. Glanz dringt in meine Augen, prickelnd ballt sich meine Haut. Der Sinn geht nun auch mir verloren, all diese Bewegung zu verstehen, die mein kleines Leben hergibt.
Ich kippe den Rest Bourbon, geh auf den Balkon, raus ins Rauschen der Nacht. Stoße einen Schrei aus, der mich grauen lässt. Sehe das Glas der Bottle auf dem Gehsteig weit unter mir zerstäuben.
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Aus „Insomnia„. Sie möchten meine Worte in Druckform kaufen? Dann folgen Sie mir bitte hier entlang. Vielen Dank!

 

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2 Kommentare

Verfasst von - November 19, 2015 in Literatur, Prosa + Lyrik

 

Schlagwörter: ,

2 Antworten zu “Rausch

  1. Christian

    November 20, 2015 at 10:28 am

    Hallo hier ein toller Liedtext von Dota Und Die Stadtpiraten –
    Rauschen lieber Gruß Christian
    Rauschen Songtext
    Ich habe Wasser zum trinken
    und Freunde zum seh’n,
    einen Plan für heute, einen Plan für danach und wenn ich will kann ich raus geh’n.
    Ich hab‘ die Monster gefangen
    und den Drachen gezähmt; meine Hand ist gebrochen, seine Füße gefesselt und seine Flügel gelähmt.
    Ich höre Leute reden, nichts berührt mich, alles ist gleich weit entfernt und wenn sie mich fragen, ich kann nichts dazu sagen, nicht mal im Scherz.
    NIchts ragt aus dem Rauschen, nichts sticht mich ins Herz.
    Ich kann nichts dazu sagen, nicht mal im Scherz. Nichts ragt aus dem Rauschen und nichts…
    Und ich habe auch heute wieder viel Luft bewegt,die Luft um mich rum und am Abend hat sich der Staub gelegt.Ich taste im Dunkeln, obwohl es nichts verheißt in dieser Geisterstadt, nicht ein Monster mehr das mich beisst.Ich schau durch fremde Fenster,Leute lachen, es lärmt. Es geht um Drachen und Monster, für mich ist alles gleichweit entfernt. Ich kann nichts dazu sagen, nichtmal im Scherz. Nichts ragt aus dem Rauschen und nichts sticht mich ins Herz.Ich kann nichts dazu sagen, nichtmal im Scherz. Nichts ragt aus dem Rauschen und falss da etwas sticht, ich spür‘ keinen Schmerz.Es ist alles hinter Panzerglas und es könnte irgendjemand anderes sein, mich auszutaschen, es gaht alles unter in diesem dumpfen Rauschen .Es geht alles unter in diesem dumpfen Rauschen. Es geht alles unter.
    Ich habe Wasser zum trinken und Freunde zum sehn‘. Einen Plan für heute, einen Plan für danach und wenn ich will kann ich rausgehn‘.

    Dota – Rauschen (offizielles Video) – YouTube

    Alle Infos über Dota Und+Die+Stadtpiraten: http://www.musictory.de/musik/

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