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Zurück ins Private

30 Sep

Mehr als zehn Jahre ist es nun her, dass ich mich zunächst für Trennungseltern und später mit aus dem Engagement erwachsenden neuen Wegen Trennungskinder und von häuslicher Gewalt betroffene Männer engagierte. Der von mir initiierte und geführte Verein „Gleichmaß e. V.“ hat Dinge erreicht, die sich sehen lassen können. Mag sein. Dennoch stehe ich am Ende eines Weges, den ich so nicht mehr weitergehen will. Vorab: ich schreibe das als Privatperson und nicht im Namen und legitimiert durch den Gleichmaß e. V.. Mancheinem fehlt dafür die Unterscheidungsfähigkeit, daher diese Fußnote.

Der Gründe gab es in den letzten Jahren genug:

  • Volksvertreter*, die Wahlversprechen machen und sich hinterher lediglich bruchstückhaft erinnern, wenn nicht komplett verleugnen lassen
  • Verbände, Trägerschaften und Organisationen, die im Windschatten eines bzw. von einem System(s) profitieren, welches durchweg und quasi „top to bottom“ von diskriminierenden Denkansätzen und Handlungsmustern durchzogen ist
  • Medienvertreter, die hochgradig ideologische und verleumderische Berichterstattung fahren und damit bewusst ausblenden und verzerren, dass beide Geschlechter unter Konflikten oder Diskriminierung leiden und Hilfe benötigen
  • Mitmenschen, die mir Frauenhass, Verbitterung oder Fanatismus unterschieben wollen, weil ich keine für Frauenrechte eintretende „Powerfrau“, sondern ein für die Rechte des männlichen Geschlechts eintretender Mann bin
  • Männer, die aufgrund ihrer Konstitution einer extrem hohen Schamschwelle und Kanalisierung von Konflikten in Depressionen, Sucht, Gewalt oder Suizid sowie Einzelkämpfermentalität nicht in der Lage sind, sich für die Schaffung von Hilfebedarfen einzusetzen
  • Männer, die in Foren und Blogs endlose und unglaublich schlaue Debatten führen, aber nirgends da draußen für jene in Erscheinung treten, über die debattiert wird
  • Männer, die sich im solidarischen Sinne gegenseitig das Wasser abgraben, weil jeder der Platzhirsch ist und jeder das bessere Konzept hat
  • Männer, die es schon immer besser wussten und insbesondere dann mit Projektion auffahren und an Nebensächlichkeiten die ganz große Kritik aufbauen, wenn man einen Erfolg zu verbuchen hat
  • Männer, die es nicht schaffen, Danke zu sagen, den Kaffee mitzubezahlen oder den Verein zu unterstützen, wenn man ihnen Lebenszeit widmet und Hilfe organisiert
  • „Man müsste mal“ – Menschen

Ich sehe bei beiden Geschlechtern sehr viel Gutes und eben auch Defizite, wir sind Menschen und Wesenszüge machen nicht vor dem Geschlecht halt. Insofern sind vorgenannte Kritikpunkte nur Teil einer endlosen Liste von Punkten, die Frauen und Männer in ihren Eigenheiten und Mechanismen ausmachen.

Fakt ist, ich bin müde. Ich habe keine Lust mehr auf diese Dinge. Ich will und werde die begonnenen Projekte noch mit Leidenschaft zuende bringen und mich nach und nach aus einem thematischen Umfeld verabschieden, welches außer Kaputtheit und Lügen kaum etwas zu bieten hat. Ich möchte mein Leben ins Private zurückbringen, nicht mehr der einzige präsente Kopf in Thüringen sein, an dem immer wieder Maßstäbe, Zweifel oder gar Verleumdungen angelegt werden.
__

*Gemeint sind immer beide Geschlechter.

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17 Kommentare

Verfasst von - September 30, 2015 in Kolumne

 

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17 Antworten zu “Zurück ins Private

  1. AnnaGreen

    September 30, 2015 at 7:16 am

    Bin erschüttert über diesen krassen Bruch. Ich hoffe Dein Bauch hat die Entscheidung genauso mitgetragen, wie der Kopf und Du fühlst Dich – trotz allem Ärger, Frust, Ohnmacht und Bedauern – erleichtert.
    Kann nur für mich sprechen: Wärest Du weniger fanatisch und begeistert gewesen, hätte mich das Thema Gleichstellung kalt gelassen. Danke

    Gefällt 2 Personen

     
    • Tristan Rosenkranz

      September 30, 2015 at 7:18 am

      Danke für Deine Anteilnahme, aber fanatisch sah und sehe ich mich nie und nicht, sondern leidenschaftlich. Aber es ist nötig, ich stehe als Projektionsfläche negativer Energien einfach nicht mehr zur Verfügung. Und ja: es ist eine seit Längerem angedachte Entscheidung.

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  2. AnnaGreen

    September 30, 2015 at 7:48 am

    Tut mir leid, dass Dich das Wörtchen stört – mein Kontext dazu ist positiv: rasende Begeisterung und Leidenschaft.
    Liebe Grüße

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  3. kaetheknobloch

    September 30, 2015 at 8:53 am

    Lieber Tristan, eines gleich vorab: Fehler begeht nur, wer sich wagt, eigene Entscheidungen zu treffen. Zu einem Fehler zu stehen und die Konsequenzen zu ziehen erfordert Mut und Kompetenz. Deshalb bekunde ich meinen uneingeschränkten Respekt.

    Ich habe mich jetzt durchgelesen und sehe zwei offensichtlich verschiedene Darstellungen der Ereignisse. Da eine gewisse politische Brisanz nicht zu übersehen ist, muß die OTZ zwingend Ihre Stellungnahme veröffentlichen. Ich sehe die eigentliche Arbeit und das Engagement des Vereines verunglimpft, ja sogar als manipulierbar bezeichnet. Was das für Schäden verursacht ist noch gar nicht abzusehen.

    Ihren Schritt haben Sie ausreichend erklärt, ob er notwendig ist, entscheiden Sie ganz alleine, bedauerlich ist er allemal. Wenn persönlicher Einsatz mit Herz und Verstand zwischen den Mahlsteinen der Komunalpolitik aufgerieben wird, ist das nur noch als verdammt traurig zu bezeichnen. Und ein Presseorgan als neutraler Berichterstatter müßte ganz anders handeln, als einseitige Darstellung zuzulassen.

    Ich sende Ihnen herzliche Grüße und einen Derbsprachenfilter, mich deucht, da wird noch weiter mündlicher Unrat ausgekübelt werden.
    Ihre Käthe, zugeneigt und rückenstärkend.

    Gefällt 1 Person

     
    • Tristan Rosenkranz

      September 30, 2015 at 8:59 am

      Vielen lieben Dank, liebe Käthe, für Ihre einfühlsamen Worte. Die OTZ hat sich falsch verhalten und einem unserer sehr wachen Mitglieder (selbst einige Zeit politisch hochengagiert) zufolge einen unüberschaubaren Hang zu ebendieser rechtspopulistischen AfD (eine Richtigstellung wurde abgelehnt). Da kam ich als Bauer zum Verheizen gerade richtig. Dass eine Corinna Herold genau dieselben Reaktionsmuster aufzeigte wie jene von ihr aufs Schärfste abgelehnten Radikalfeministinnen, scheint ihr dabei gar nicht aufzugehen. Nun denn, mir wird es gut tun, nicht mehr das Zünglein an der Thüringer Waage zu sein, dass ja neben vielem Zuspruch auch gern mit einem Mülleimer persönlicher Defizite verwechselt wurde.

      Dass der OTZ-Redakteur Paczulla eine Richtigstellung ablehnt und im Zuge dessen nochmals – gegenüber dem für uns aktiven Paritätischen Wohlfahrtsverband – lügt (ich wäre telefonisch übergriffig geworden), stellt einmal mehr den Grund zur Schau, warum herkömmliche Medien seit Jahren kontinuierlich Leserschaft und Vertrauen verlieren.

      Viele sonnige und herzliche Grüße.

      Tristan

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      • kaetheknobloch

        September 30, 2015 at 9:50 am

        Mein lieber Tristan, in einem gemeinnützigen Verein zu agieren ist ein zumeist höchst wackeliger Seiltanz. Eigene Erfahrungen lassen mich das sehr sicherwortig feststellen. Ich bin durch den Umzug des Florallabors aus vorderster Linie verschwunden und bereue das kein bißchen. Aber „Gleichmaß“ ist ja kwasi Ihr Baby, das stelle ich mir ungemein schwieriger vor, zumal unter solchen irreführenden Umständen. Die Gegendarstellung ist meines Erachtens nach unbedingt erforderlich, schreiben Sie einen Leserbrief, vielleicht wird wenigstens der veröffentlicht.

        Es sind traurige Zeiten, wenn Populismus die Feder von Journalisten lenkt und keine wirkliche Auseinandersetzung mit der Wahrheitsfindung mehr als Gebot angesehen wird.

        Meine innere Ackerdame lächelt dem Verheizbauern aufmunternd zu und hinterlegt ebenso sonnige Grüße nochmals.

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      • Tristan Rosenkranz

        September 30, 2015 at 9:56 am

        🙂 Ihre Wortwahl immer wieder… herzlichsten Dank! Einen Leserbrief mochte ich nicht abschicken, da er nie denselben Stellen- und damit Aufmerksamkeitswert erhält wie der vorangegangene Artikel. Ja, es ist mein Baby, und viele konnten das nicht getrennt betrachten. Angesichts dessen aber, dass ich seit mehr als einer Handvoll Jahren mit der Mama meiner Tochter wieder ein äußerst gutes will sagen freundschaftliches Verhältnis habe, können sich tatsächlich mal andere, denen es quasi deutlich mehr auf dem Pelz juckt, aktiv werden. Es wird ruhiger werden für mich und das freut mich doch ein ganzes Wenig.

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      • kaetheknobloch

        September 30, 2015 at 6:29 pm

        Eine irgendwie versöhnliche Antwort, mein lieber Tristan. Ich wünsche Ihnen, daß die kommenden Ruhemomente weitere Gelassenheit mit sich bringen und vielleicht auch ein klein wenig mehr Heilung. Narben brauchen Ruhe, um sich zu verschlankweißen…

        Und ich freue mich auch über weitere Kommentare von Männern, denen es augenscheinlich wichtig ist.
        Müdäugig, aber zugeneigt verbleibe ich als Ihre Käthe Knobloch.

        Gefällt 1 Person

         
      • Tristan Rosenkranz

        September 30, 2015 at 6:41 pm

        Ganz sicher wird es so geschehen, vielen lieben Dank für Ihre Vorskizze kommender Dinge. Ich bin gespannt auf alles, was für mich bereitsteht. Frischabendliche Grüße aus Thüringen 🙂 Tristan

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  4. Andreas

    September 30, 2015 at 5:02 pm

    Sehr geehrter Rosenkranz,

    ihre ENtscheidung ist Schade aber verständlich. Und ich muss mich auch zu den von Ihnen kritisierten Männern zählen. Ich hätte zwar genügend Entschuldigungen (private Probleme, Kindheit, Abneigung gegen Menschenversammlungen, Unverständnis im Bekanntenkreis für das Thema) aber letzendlich sind es nur Ausflüchte. Ich denke trotzdem, dass das Thema nicht mehr totzukriegen ist und das ist wenn vielelicht abe rnicht messbar auch mit ihr Verdienst.

    Andreas Pfeiffer

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    • Tristan Rosenkranz

      September 30, 2015 at 5:34 pm

      Vielen Dank für Ihren Zuspruch. Bei vielen geht ja einfach nichts neben dem normalen Leben. Aber idealerweise sehen bald immer mehr Menschen, dass diese Thematik jede Hand und jedes Herzblut braucht.

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  5. Christian - Alles Evolution

    September 30, 2015 at 6:06 pm

    Anscheinend habe ich dazu mit beigetragen als Nurblogger. Es tut mir leid, wenn du das als Belastung empfunden hast und das war sicherlich nicht meine Absicht.

    Ich wünsche gute Erholung und sage danke für deinen Einsatz.

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    • Tristan Rosenkranz

      September 30, 2015 at 6:10 pm

      Ich bin da etwas ambivalent. Du postest wichtige Gedanken und stößt gute Diskussionen an. Aber die Diskutanten bewegen sich großteils nur in diesen Meinungsbubbles.

      Vielen Dank.

      Gefällt 2 Personen

       
  6. Tristan Rosenkranz

    Oktober 6, 2015 at 8:50 pm

    Lieber Hartmut, ich komme bei Gelegenheit gern auf das Angebot gern zurück. Muss allerdings noch mal auch hier betonen, dass ich das begonnene Netzwerk weiterhin betreuen werde. Liebe Grüße!

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  7. Tristan Rosenkranz

    Oktober 20, 2015 at 4:33 am

    ‚Müssen‘ existiert in meinem Wortschatz nicht mehr, da es ein Widerspruch zu ’selbstbestimmt‘ ist.

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  8. Tristan Rosenkranz

    Oktober 21, 2015 at 12:31 pm

    Was wollen Sie mir EIGENTLICH sagen?

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