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Denkfrage

14 Jun

Gibt es eigentlich auch poetisch motivierte Straftaten?

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28 Kommentare

Verfasst von - Juni 14, 2015 in Prosa + Lyrik

 

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28 Antworten zu “Denkfrage

  1. kosinsky

    Juni 14, 2015 at 9:25 am

    Ja, davon wäre auszugehen. Literarisch, u.a. literarisch-romantische, auf jeden Fall – zumindest innerhalb von Werken der Literatur (ob es das also im „wahren Leben“ gibt ist eine weitere Frage). Der Poesie wegen oder im Wege der Poesie oder notwendig aus einer bestimmten Poesie heraus, weiß nicht, aber möglich.

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    • Tristan Rosenkranz

      Juni 14, 2015 at 9:28 am

      Ich halte es auch sehr gut für möglich und fast romantisch, wenn man den Aspekt Straftaten ausblendet.

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  2. Beat Company

    Juni 14, 2015 at 9:28 am

    Zumindestens was den Suicid betrifft. Der „Kein-Verlag“ beschäftigt sich damit.

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    • Tristan Rosenkranz

      Juni 14, 2015 at 9:29 am

      Spannender Link – danke! Wirft zugleich die Frage auf, ob Suizid eine Straftat ist.

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      • Charles Bukowski

        Juni 14, 2015 at 1:04 pm

        Eine poetische / liebevolle Motivation zum Selbstmord mag sein, dass man um einer größeren Sache willen sein eigenes Leben opfert. Das kann eine Mutter sein, die sich selbst tötet, um ihr Kind zu retten, das kann ein Selbstmordattentäter sein, der um der Sache Gottes willen in den Tod geht, oder ein Partisane, der zur Rettung anderer freiwillig ein Selbstmordkommando auf sich nimmt.

        Hier kann man generell sagen, dass die verschiedenen Weltanschauungen und Religionen einen Selbstmord mit der Motivation, sein eigenes Leben für etwas Größeres zu opfern, überwiegend positiv betrachten, selbst wenn sie die Selbsttötung aus persönlichen Gründen ablehnen.

        Immerhin gibt es als Lohn 72 Jungfrauen im Paradies (Minute 1:55) …

        Aber: Gibt es auch hübsche Männer für Frauen im Paradies ?

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      • Tristan Rosenkranz

        Juni 14, 2015 at 1:30 pm

        Das ergibt einen Brückenschlag zwischen Poesie und (Sozial)Romantik, was die von Dir angeführten Suizidgründe betrifft.

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      • Tristan Rosenkranz

        Juni 14, 2015 at 1:34 pm

        Ich hab den Koran noch nicht gelesen, aber der Herr eiert schon etwas rum bei der Frage der Dame. Und kommt etwas krude daher in seiner Begründung.

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  3. kosinsky

    Juni 14, 2015 at 9:55 am

    Aus Sicht der, manchmal anstrengenden aber auch grundlegenden, Vernunft kommt es meiner Einschätzung nach darauf an, um was für Straftaten es sich handelt. Um Verstöße gegen positive Gesetze, die nicht vernünftig sind? Das wäre, wenn verhältnismäßig, legitim (lex, legis).
    Wenn es Verstöße sind, die eigentlich sinnvolle Gesetze überschreiten, weil es im Einzelfall moralisch oder sonstwie wichtig war (zumindest eben ambivalent war, nicht eindeutig falsch oder richtig), dann ist die Frage u.a. nach „Rechtssicherheit“ vs. „Einzelfallgerechtigkeit“ und es ist auch eine Frage zwischen objektiviertem und subjektiv orientiertem Bereich zwischen Recht und Moral.

    Nicht vernünftig aber trotzdem lebendig-verständlich könnten Straftaten/Verbrechen sein, die eben die Objektivität bzw. die Vorstellung der Allgemeingültigkeit aufheben/nicht im Blick haben, sondern sich in die Subjektive Welt fallen lassen. Und dann eine Straftat begehen, die für die subjektive Situation notwendig/wichtig erschien. Zum Beispiel, hm…, für die Person, die ich liebe – oder auch für eine Idee (wenn es da auch wieder ins Allgemeine geht und widersprüchlicher wird) – einen Feldzug starten (wie z.B. Kohlhaas) und dabei am Ziel festhalten, und nicht wegen der eigentlichen (wegen der Verhältnismäßigkeit) unmöglichen Umsetzung gleich von vorneherein es sein zu lassen. Da ist dann u.a. die Kohlhaas’sche Frage zwischen Idee/Treue zur Gerechtigkeit und der möglicherweise der Gerechtigkeit wieder widersprechenden Anmaßung, das eigene Recht über die Rücksicht auf das Recht der Unbeteiligten zu stellen.

    Für eine persönliche Liebe zu einem Einzelnen oder mehreren Menschen (z.B. einer Gemeinschaft), Straftaten zu begehen, ist möglich, aber wenn ich darüber nachdenke funkt mir regelmäßigerweise die Vernunft dazwischen.
    Bin vielleicht hier etwas neben dem Thema, da ich mich in meiner Beschreibung ja auf Liebe bezog und auf die (Kunstwort:) ‚ernsthaftige’/wahrhaftige Verfolgung einer Idee (das ist wiederum evtl. speziell eher ein Männerding, vielleicht auch eine Art der Männer-Romantik). Aber das könnte ja auch ein Teil dessen sein, was sich auch u.a. als Poesie ausdrückt.

    Zu einer poetischen oder sonstigen ernsthaften Sache zu stehen kann romantisch sein (bzw. ist in gewisser Weise vielleicht der Kern der [männlichen] Romantik. Und für Andere wiederum ist es gerade das Machen einer Beziehung zu einer Idee/romantischen Sache, die eine Entpersonalisierung darstellt und dadurch wichtige andere Aspekte (das Recht und das Leben der Anderen) zu ignorieren. Vertikal tief oder horizontal verbunden. Das zweitere ist vielleicht eher eine weibliche Romantik (die Bio-Männer natürlich auch haben können).

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    • Tristan Rosenkranz

      Juni 14, 2015 at 11:18 am

      Sehr interessante Denkansätze, das gefällt mir – vielen Dank. Ja, Straftaten aus Liebe sind noch einmal ein ganz eigenes Feld, was sich sicher viel mit Poesie überschneidet. Oder Poesie (in Wort und Bild), um allzu starre Systeme oder Regeln zu durchbrechen und die frische Luft dahinter wieder spürbar zu machen… Oder eben, auch hier meine Zustimmung, als Infragestellen vom Objektivitätsbegriff.

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  4. kaetheknobloch

    Juni 14, 2015 at 10:06 am

    Um diese spannende Frage wäre es wahrlich schade gewesen, Verehrtester. Und andere sehen das offensichtlich genauso…

    Im Grunde ist doch jedes gesprühtes ‚Ichliebedich‘ an Hausmauern eine Straftat, die selbstgebrannte CD mit gemopsten Liedgut, die vorhin schon erwähnte Klaurose aus Nachbars Garten, sie alle sind doch geboren aus einer poetischen Idee und gleichzeitig strafbar.
    Herzlichst, die Ihre, poetisch kriminell bisweilen, doch nicht vorbestraft.

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    • Tristan Rosenkranz

      Juni 14, 2015 at 11:13 am

      Das heißt ja im Grunde, das Poesie zu eng gesteckte Grenzen gern aufbricht und aufweicht. Für mich sind manche Graffiti auch Poesie…

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      • kaetheknobloch

        Juni 14, 2015 at 5:59 pm

        Und so kommen wir zur der seiltänzerischen Frage nach den strafmaßnahmlichen Grenzen. Ich werfe aus naturpoetischen Gründen Samenbomben aus auf mir nicht zustehendem Gelände (Pardöngsche, wenn das geschwallert klingt, ich mag es nicht genauer definieren, aus Gründen) und mache mich damit strafbar im derzeit festgesetztem Gesetzestext. Oder beklebe fremdes Eigentum. Das sind zu eng gesteckte Grenzen in meinen Augen. Beim Durchlesen der Kommentare dräute mir gänzlich anderes Sinnieren über diese Ihre Frage. Deshalb nochmals vielen Dank für diese wirklich spannende Frage.
        Sonntagsabendgrüße, die Ihre.

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      • Tristan Rosenkranz

        Juni 15, 2015 at 8:29 am

        Sie wecken mein Interesse ob des Hintergrundes Ihres poetischen Treibens…

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      • kaetheknobloch

        Juni 15, 2015 at 9:12 am

        Der Hintergrund ist ein schlichter: Stadtverschönerung und Schaffung neuer Kleinstlebensräume gegen karge Versteinerung und öde Kiesvergartung.
        Schönstmontagsgrüße, die Ihre.

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      • Tristan Rosenkranz

        Juni 15, 2015 at 9:14 am

        So etwas kann ich nur gut heißen. Ich selbst bin sensibilisiert / inspiriert von kreativen Aufklebern an Laternen, Guerilla Gardening etc. …

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      • kaetheknobloch

        Juni 15, 2015 at 9:42 am

        Herr Rosenkranz! An mein Guerillaherz! Sie sehen mich angemessen zugetan…

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      • Tristan Rosenkranz

        Juni 15, 2015 at 9:44 am

        🙂

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  5. Arabella

    Juni 14, 2015 at 10:17 am

    Ich denke schon. ..ein Beispiel?
    Bücherverbrennungen

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  6. Eva Prim

    Juni 14, 2015 at 12:08 pm

    Interessante Frage. Zu klären wäre zunächst, was die Begriffe „poetisch“ und „poetisch motiviert“ bedeuten und ob wir uns für den Begriff der „Straftat“ auf das StGB zurückziehen. Wenn „poetisch“ bedeutet „die Poetik betreffend“, so befinden wir uns im Feld der Dichtkunst. Eine Poetik beschäftigt sich mit den Prinzipien zum Verfassen literarischer Texte. „Poetisch motiviert“ würde in diesem Zusammenhang bedeuten, von einer „Poetik“ motiviert, also etwa das zu seinem Beweggrund zu machen, was eine Poetik normativ fordert oder was aus einer Poetik (wie auch immer) herausgelesen wird. Zu klären wäre dann beispielsweise, zu welchen Arten von Straftaten eine Poetik als Poetik aufrufen könnte oder anders formuliert: Wäre eine zu einer Straftat aufrufende Poetik (zumindest in den die Straftat betreffenden Punkten) noch im eigentlichen Sinn des Wortes eine „Poetik“?
    Der Begriff der „poetischen Motivation“ könnte auch weitere Bedeutungen haben. Er könnte etwa „aus einem poetischen bzw. künstlerischen Werk seinen Beweggrund schöpfend“ oder „seinen Beweggrund in den poetischen Notwendigkeiten seines eigenen Kunstschaffens findend“ meinen. Fraglich ist, ob ein literarischer Text oder ein Kunstwerk als motivationale Basis für das Verüben einer Straftat ausreichend ist, oder ob nicht weitere Beweggründe hinzutreten, eine Straftat auszuführen. Ohne weiter auf die Suizid-Problematik eingehen zu wollen, sei als Beispiel die steigende Selbstmordrate unter japanischen Jugendlichen nach der Lektüre von Werken von Herrmann Hesse genannt. Diese hat offensichtlich etwas ausgelöst in den jungen japanischen Lesern. Aber sicherlich nicht bei allen oder in dieser entgültigen Konsequenz.
    Inwieweit die eigene künstlerische Produktion zur Ausübung von Straftaten führt, liegt sicherlich daran, was mit der eigenen Kunst bewirkt werden soll. Kunst ist (auch) Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und mit gesellschaftlichen Praktiken, die sichtbar gemacht und gegebenenfalls kritisiert werden sollen. Kunst spielt mit Konventionen. Kunst mischt sich ein. Dennoch muss man sich bei seiner Kunstausübung auch mit der Frage der Konsequenzen beschäftigen. Und dazu gehört auch die Frage, ob die gewollte künstlerische Aussage tatsächlich nur durch einen Rechtsverstoß zu erreichen ist, oder ob andere, rechtskonforme Ausdrucksmöglichkeiten gewählt werden können. Bei der Wahl eines strafrechtlich relevanten Vorgehens wird sich jede Künstlerin, jeder Künstler dem stellen müssen, was auch im rechtskonformen Rahmen ein wesentliches Moment von Kunst ist: Zur Verantwortung für das eigene Kunstschaffen zu stehen.

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    • Tristan Rosenkranz

      Juni 14, 2015 at 12:37 pm

      Spannende und anregende Antwort, dankeschön. Dass Hermann Hesse japanische Jugendliche zum Suizid motivierte, wusste icht bislang nicht. Meine Denkfrage war eher ein Gedanken- oder Wortspiel, angelehnt an das vielzitierte „politisch motiviert“ bei manchen Straftaten. Und wenn ich den Kommentar zuende lese, taucht dann zum Beispiel auch die Frage auf, ob ein Künstler verantwortlich für eventuelle Taten seines Konsumenten ist. Von extremistischen Musikstücken oder Videos einmal abgesehen. Gibt es überhaupt Forschungen bzw. Studien über den Einfluss von Poesie (im weitesten Sinn) auf revolutionäre Bestrebungen? Eine rhetorische Frage…

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      • Eva Prim

        Juni 14, 2015 at 12:41 pm

        In der Tat, rhetorisch und auch wieder nicht. Jedenfalls gab und gibt es immer wieder Regierungen, die genau dies vermuten und daher Zensur ausüben.

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      • Tristan Rosenkranz

        Juni 14, 2015 at 12:43 pm

        …womit die Gedanken in vielen Fällen nicht frei sind.

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      • Eva Prim

        Juni 14, 2015 at 12:46 pm

        Nicht frei, sie zu äußern, in besonderen Fällen sicherlich auch nicht zu denken …

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      • Tristan Rosenkranz

        Juni 14, 2015 at 12:50 pm

        Ja. An zu vielen Orten. Und es führt zum Punkt für eine nächste Denkfrage: was Freiheit überhaupt ist…

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      • Eva Prim

        Juni 14, 2015 at 1:16 pm

        Eine – wenn nicht die – grundlegende Frage der Menschheit.

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  7. Doru

    Juni 14, 2015 at 12:29 pm

    Kern der Frage …

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