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„Autismus – Der blinde Spiegel“

02 Apr

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Heute ist Weltautismustag. Passender Anlass für ein paar Ausführungen zu diesem Thema.

Ich selbst hatte vor einigen Jahren die Ehre, mit dem Textbeitrag „Mutter“ am von Emma Wolff herausgegebenen Buch „Ein Leben mit Autismus – Die etwas andere Anthologie“ mitzuwirken. Das Thema fand ich immer schon interessant; spannend war für mich der Versuch einer Einfühlung und das Schaffen einer Textwelt zum Thema. Im Gegensatz zu einigen wissenschaftlichen oder schulmedizinischen Fehlzuordnungen verwehren sich Autisten dagegen, als krank eingestuft zu werden. Eine Aussage, die aus den Erlebenswelten, Geschichten und Gedichten des Buches auch hervor geht.

Immer wieder einmal taucht das Thema in meinem Leben auf. Eine Freundin beispielsweise arbeitet mit Kindern, unter ihnen hin und wieder auch autistische Kinder. Sie hat Zugang zu spirituellen Dingen, die der Mehrheit verschlossen bleiben, vielmehr noch von eben dieser Mehrheit desöfteren als „spinnert“ abgetan werden. Nur geschieht es immer wieder, dass sich eben diese Kinder ihr gegenüber öffnen. Kleine Menschen, die niemandem in die Augen schauen oder nie ein Wort sagen, lassen den Blick nicht mehr von ihr, sprechen plötzlich. Eine geschützte, tief berührende Verbindung.

Zum Themenkomplex Autismus und AD(H)S gibt es seit Ende 2014 nunmehr auch ein Magazin, welches als erstes seiner Zunft den weltweit 67 Millionen Betroffenen eine Stimme verleiht. Für das Magazin „Nummer“ sammelte Denise Linke auf der Crowdfunding-Plattform „Startnext“ die Summe von 10.000€uro, um damit eine Startauflage von 2.500 Stück realisieren zu können:

„… Wie wäre es also, wenn sich nicht nur die Autisten der Welt anpassten, sondern auch die Welt ihnen? Autisten unterstellt man ja starres Verhalten, aber wie flexibel ist eigentlich ihre Umgebung? Ist es nicht auch ein Stereotyp, dass man seinem Gegenüber immer die Hand geben und ihm in die Augen schauen muss? Und ist es nicht auch eine Bereicherung, wenn einer dank Autismus diesen außergewöhnlichen Sinn für Details hat? Im Wald nicht nur Bäume, sondern etliche Grüntöne sieht? Und beim Kochen Reis nicht einfach in den Topf füllt, sondern erst einmal wie Perlen durch die Hände rieseln lässt?

Das sind Fragen, die Linke interessieren und die sie im Heft thematisieren will. Organisationen wie „Autism Speaks“ stecken ihr Geld in Pränataldiagnostik und Ursachenforschung, so als sei Autismus etwas, das man tilgen müsse. „Nummer“ soll eine Gegenstimme sein. „Wir waren viel zu lange viel zu leise“, schreibt Linke in ihrem Editorial. …“ (Quelle / gesamter Artikel: „Tagesspiegel„)

Ein interessanter Text verschafft etwas mehr Klarheit zum Thema Autismus:

„… Der Autist Jim Sinclair schreibt: „Jeder von uns, der lernt, mit euch zu sprechen, jede von uns, die lernt, in eurer Gesellschaft zu funktionieren, jeder von uns, der die Hand ausstreckt, um eine Verbindung zu euch herzustellen, bewegt sich auf außerirdischem Territorium und nimmt Kontakt zu außerirdischen Wesen auf“. Das Phänomen „Autismus“ wird inzwischen sehr gut beschrieben. Doch warum ein Mensch zum Autisten wird, ist weitgehend unklar. Seit einigen Jahren gibt es immerhin Theorien, die in Ansätzen die Ursachen für Autismus erklären.

[…]

Wissenschaftler wie Vilayanur Ramachandran sehen in Spiegelneuronen nun einen Schlüssel für viele offene Fragen in der Autismusforschung. Der Forscher versucht zu erklären, warum sich bei einem Autisten im Inneren nichts regt, wenn er beispielsweise jemanden lachen sieht. Liegt das vielleicht daran, folgerte Ramachandran, dass sein Gehirn seine Mitmenschen nicht spiegelt?

Um die Hirnaktivität von Autisten zu messen, benutzte Ramachandran die Elektroenzephalografie (EEG). Dabei zeichnet das EEG die Hirnwellen über äußere Messfühler auf. Ein besonderes Augenmerk legte der Forscher bei seinen Studien auf die sogenannten „My-Wellen“ (sprich mü, nach dem griechischen Buchstaben µ), eine spezielle Komponente des EEG. Schon lange war bekannt, dass die My-Welle jedes Mal unterdrückt wird, wenn eine Person eine Muskelbewegung ausführt – zum Beispiel ihre Hand öffnet und schließt. Interessanterweise wird diese Komponente auch dann blockiert, wenn die Person einer anderen bei der gleichen Handlung zusieht. Ramachandran fand nun heraus, dass bei Autisten die My-Welle nur bei eigener Bewegungsausführung unterdrückt wird, nicht jedoch, wenn der Autist beobachtet, wie ein anderer die Bewegung ausführt. Der Forscher folgerte, dass Autisten defekte Spiegelzellen haben. …“ (Quelle / gesamter Artikel: „Planet Wissen„)

Bildnachweis: Photovoltaik / Fotocommunity
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Bitte unterstützen Sie unter diesem Link die Familienschutz- / Kinderrechtsinitiative „Gleichmaß e. V.“. Vielen herzlichen Dank!
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2 Antworten zu “„Autismus – Der blinde Spiegel“

  1. Tristan Rosenkranz

    April 3, 2015 at 8:36 am

    Das ist ja genial, danke…

    Gefällt mir

     

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