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Erich Fromm „Die Normalsten sind die Kränkesten“

20 Dez

https://i0.wp.com/www.unternimm-die-zukunft.de/media/medialibrary/2011/12/erich_fromm_fertig.jpg

„… Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. Das klingt geistreich oder vielleicht zugespitzt. Aber es ist mir ganz ernst damit, es ist nicht eine witzige Formel. Der Mensch, der krank ist, der zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie in Konflikt kommen mit den Mustern der Kultur und daß sie dadurch, durch diese Friktion, Symptome erzeugen. Das Symptom ist ja wie der Schmerz nur ein Anzeichen, daß etwas nicht stimmt. Glücklich der, der ein Symptom hat. Wie glücklich der, der einen Schmerz hat, wenn ihm etwas fehlt! Wir wissen ja: Wenn der Mensch keine Schmerzen empfinden würde, wäre er in einer sehr gefährlichen Lage. Aber sehr viele Menschen, das heißt, die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihr eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, so instrumente-, so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden. Das heißt, ihr wirkliches Gefühl, ihre Liebe, ihr Haß, das ist schon so verdrängt oder sogar so verkümmert, daß sie das Bild einer chronischen leichten Schizophrenie geben.


[…]

Die Ursachen scheinen mir ganz offenliegend zu sein: Unsere Gesellschaft ist aufgebaut auf dem Prinzip, daß es das Ziel des Lebens ist: die größere Produktion, als Kompensation und auch als Notwendigkeit die größere Konsumtion. Die Wirtschaft und der Fortschritt der Wirtschaft, und der Fortschritt der Technik, das ist das, wofür wir leben. Nicht der Mensch! Was dem Menschen nützt, das interessiert wenig, wenn man darüber nachdenkt, was das Ziel ist, worauf wir hinauskommen. Sogar nicht einmal, was dem Menschen schadet, spielt eine Rolle. Das ist ja notorisch, viele von unseren Anzeigen und Reklamen preisen Dinge an, die ausgesprochen tödlich, schädlich sind. …“

Quelle / gesamter Text: Umweltdebatte

Bildnachweis: Unternimm die Zukunft

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